Zweihundertachtzigtausend Euro aus Brüssel - das ist die Nachricht, auf die Nora Liebig, Leiterin des maroden mecklenburgischen Kulturzentrums Bühne Brachland, seit Monaten sehnsüchtig wartet. Doch das europäische Fördergeld für das Projekt "Rural Futures" kommt mit einer unbarmherzigen Auflage: Die verfeindeten Nachbardörfer Gutsow und Gehtsow müssen für das Projekt nachweisbar zusammenarbeiten. Als zur feierlichen Eröffnung das spanische Varieté-Duo Manolo und Esmeralda - zwei leibhaftige, theatererprobte Wildschweine - anreist, eskaliert die Lage vollends.
Eine messerscharfe, humorvolle und zugleich tief melancholische Satire über die Bruchlinien unserer Gesellschaft, den absurden Kampf um Deutungshoheit und die Frage, was am Ende eigentlich bleibt, wenn im Saal das Licht ausgeht.
Unter dem Pseudonym Hermann C. Lister schreibt ein Autor über die politischen und sozialen Verwerfungen der Gegenwart - mit Sinn für Absurdität, einem scharfen Blick auf Sprache, Macht und Medien sowie mit grosser Sympathie fuer Menschen, die in ihren Konflikten feststecken.
Sein literarisches Debüt verbindet Dorfkomödie, politische Satire und melancholische Gegenwartsbeobachtung. Im Zentrum stehen die grossen Fragen im Kleinen: Wer bestimmt, was als Wahrheit gilt? Wie verfestigen sich politische Fronten? Was geschieht, wenn ein kurzer Videoclip, zugespitzte Worte und organisierte Empörung ein ganzes Gemeinwesen erfassen? Und was bleibt von guten Absichten, wenn Förderlogik, Investoreninteressen und der Kampf um Aufmerksamkeit auf einen Ort treffen, der sich selbst nicht mehr versteht?
Lister interessiert sich für Landschaften, in denen Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen: für Grenzlinien, die offiziell kaum noch bestehen, aber den Alltag weiterhin prägen; für die Mechanismen öffentlicher Debatten; fuer die Macht von Bildern, Gerüchten und vermeintlich einfachen Wahrheiten. Seine Figuren erleben aus der Nähe, wie aus Unzufriedenheit politische Zugehörigkeit, aus Streit ein Lager und aus einem lokalen Konflikt ein Symbol wird. Dass diese Prozesse so genau beobachtet sind, ist kein Zufall.
Mit trockenem Humor und genauer Kenntnis der politischen Gegenwart erzählt Hermann C. Lister von Provinz und Öffentlichkeit, von Angst und Aufbruch, von Wildschweinen, Würde und der Frage, ob sich gesellschaftliche Risse überhaupt vermessen, verwalten oder überwinden lassen.
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