Der kleine Ludwig wächst als Halbwaise im armen Dorf Ruttershausen an der Lahn auf.
Sein Vater, der Schmied, ist im Krieg 1870/71 gefallen. Die Mutter heiratet erneut - einen unsteten, nichtsnutzigen Mann. In der Familie herrscht bittere Not. Kartoffeln und trockenes Brot sind der Alltag. In einer warmen Nacht sieht der Junge seine Mutter im Hemd zur Lahn laufen. Er rennt hinterher, reißt sie aus dem Dorngestrüpp und führt die Verzweifelte nach Hause. Trost findet er selbst nur am Denkmal auf dem Kirchberg, wo der Name seines Vaters in Stein gemeißelt steht - und in der stillen Hoffnung, eines Tages in dessen Schmiede das Handwerk zu erlernen.
Doch der Weg ist steinig: Erzwungene Schusterlehre, harte Lehrjahre, die erste Wanderschaft in die Fremde und der Militärdienst.
Eine berührende Familiengeschichte voller Schmerz, Widerstandsgeist und leiser Hoffnung aus dem alten Oberhessen - zwischen Lahn und Main.
Ich bin Jahrgang 1964 und habe Nachrichtentechnik und Informatik studiert. Während meiner internationalen Laufbahn als Manager in der Sicherheitsbranche habe ich parallel jahrelang erfolgreich als Auftragsfotograf gearbeitet. Irgendwann ist mir jedoch klar geworden, wie oberflächlich diese beiden Welten, als Manager und als Fotograf, sind. Hochglanzpoliert und schön gefiltert. Hier werden Ergebnisse angepasst, jegliche unverfälschte Information, nach oben und nach unten, abgestellt und kritisches Denken unterdrückt. Dort wird eine skurrile Scheinrealität durch Sepia-Presets und Filter geschaffen, in der das Eliminieren von Falten oder Grübchen höchste Priorität hat. Und in beiden Welten wird man mit Entscheidungsträgern konfrontiert, die dem Mainstream gehorsam folgen, weil sie für eine Beurteilung gar nicht befähigt sind. Das wahre, widersprüchliche und oft unbequeme Leben wird einfach ausgeblendet. Also habe ich den sicheren, gut bezahlten Managerposten an den Nagel gehängt - und gleichzeitig auch die Auftragsfotografie beendet. Manchmal muss man eben den Mut haben, den bequemen Weg zu verlassen, wenn er einen nicht mehr dorthin bringt, wo man hinwill. Seitdem folge ich meiner inneren Stimme und dieser tiefen Sehnsucht nach Authentizität. Als freier Fotograf und Autor widme ich mich genau dem, was mich wirklich interessiert: dem ungeschönten und dafür viel faszinierenderen Blick aufs Leben. Nach dem Buch über Alzheimer sind daraus inzwischen weitere drei Bücher entstanden. Auch mit meinem neuen und vierten Buch 'Gebrauchsspuren' ging ich den Spuren nach, die das Leben hinterlässt. Mit kraftvollen Bildern und ehrlichen Worten. Den schönen, berührenden Momenten genauso wie den schwierigen, schmerzhaften und widersprüchlichen.
Ohne Filter, ohne Schönfärberei.
Ludwig Todt
Der Großvater des Herausgebers und Co-Autors, geboren am 14.04.1897 in Frankfurt am Main, Dr.-Ing. des Maschinenbaus, Erfinder der Kartells-Kupplung und Verfasser der Geschichten aus Ruttershausen.
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