Wenn Künstliche Intelligenz Beratung, Einkauf, Lieferung und Planung übernimmt, wozu brauchen wir dann noch Innenstädte? Die Frage ist falsch gestellt. Sie lautet nicht wozu, sondern wofür.
Denn Künstliche Intelligenz übernimmt weniger, als angekündigt wurde, und mehr, als bemerkt wird. Der autonome Einkaufsagent ist nicht in Sicht. Zugleich entscheiden Modelle längst mit, welches Sortiment in welchem Laden liegt und welche Fläche als aussichtslos gilt. Die sichtbare Revolution bleibt aus, die unsichtbare läuft.
Dieses Buch zeigt, was die Technik in deutschen Innenstädten tatsächlich tut - mit belegten Zahlen, gescheiterten Projekten und einem Werkzeugkasten für den ersten Schritt. Jedes Kapitel endet mit denselben vier Fragen: Was folgt daraus für den Handel, für die Kommune, für die Immobilienwirtschaft und für die Menschen in der Stadt?
Ohne Heilsversprechen, ohne Abwehrreflex. Ob die Innenstadt eine Wundertüte bleibt, entscheidet sich in Rathäusern, Ladenlokalen und Eigentümerversammlungen.
Wilfried Weisenberger arbeitet seit über dreißig Jahren an der Schnittstelle von Handel, Standort und Kommune. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung studierte er Wirtschaftsgeographie sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zur Gesellschaft für Konsumforschung und zu GfK GeoMarketing. Dort übernahm er Führungsaufgaben in der Regional- und Handelsmarktforschung und arbeitete als Experte für Immobilien, Kommunen und Handelsstandorte. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Filialnetzplanung für bundesweit tätige Lebensmittel-, Fachmarkt- und Gartencenterketten - eine Disziplin, in der Standortentscheidungen schon lange vor der heutigen KI-Debatte modellgestützt getroffen wurden. Hinzu kamen zahlreiche Einzel-handels- und Stadtentwicklungskonzepte für Kommunen. Als Dozent an der IREBS Immobilienakademie vermittelte er sein Wissen über Markt- und Standortanalysen. Darüber hinaus wirkt er weiterhin in Fachjurys mit, unter anderem bei der hessischen Innenstadtoffensive "Ab in die Mitte" und beim Wettbewerb "IHK-Zukunftshändler Mittelfranken". 2011 gründete Weisenberger die SK Standort & Kommune Beratungs GmbH, die er 2022 verkaufte. Nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft beschäftigt er sich weiterhin mit der Transformation innerstädtischer Zentren. Aus dieser langjährigen Arbeit entstand auch der Blick dieses Buches. Wer Filialnetze plant, weiß, was Modelle leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Ein Modell sagt oft zuverlässiger, wo etwas nicht funktioniert, als wo es funktioniert. Diese Grenze hat sich nicht verschoben. Verschoben hat sich vielmehr, wer solche Werkzeuge nutzt: Früher waren es einige hundert Fachleute, die gelernt hatten, ihren Ergebnissen zu misstrauen. Heute kann nahezu jeder eine Frage eingeben und ein scheinbar plausibles Ergebnis erhalten. Das Misstrauen ist dabei nicht mitgewandert.
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