Echte Wintertage, ich meine die, an denen meine Stadt Düsseldorf unter einer geschlossenen Schneedecke versinkt, sind sehr selten. Ob das allein am schnell fortschreitenden Klimawandel oder nur daran liegt, dass die Winter der Kindheit mit ihren Schlittenfahrten im Park in einem Fach der idealisierten Erinnerung zu finden sind? Vielleicht sind beide Varianten richtig und es ist letzthin egal, dass man schnell reagieren, seine Kamera packen und losziehen muss, um diesen meist nur einen Tag zu dokumentieren, bevor die ganze Pracht in grauem Matsch und nassen Pfützen schon wieder vergangen ist. Dieses Buch zeigt einige Impressionen des Winters. Es zeigt, wie sehr Schnee die Wahrnehmung des urbanen Treibens verändert, wie sehr er die Wahrnehmung der Stadt, ihrer Architektur, ihrer Straßen, Plätze und Parks und auch ihrer Menschen erneuert. Ich liebe diese Tage, wenngleich sie für den Fotografierenden - besonders während eines Schneegestöbers - eine echte Herausforderung bedeuten. Wenn Schneeflocken den Blick durch den Sucher verschleiern, wenn Wassertropfen Flecken auf der Linse verursachen und wenn die Finger frieren, weil die Bedienung der Kamera ohne Handschuhe - eigentlich - besser funktioniert, kommt kurz der Gedanke auf, dass der Besuch der nächstgelegenen Kneipe vielleicht sinnvoller wäre. Nur ganz kurz und der Gedanke ist schon wieder verworfen. Denn morgen könnte der Zauber schon wieder verschwunden und der Ärger zu groß sein, keine weiteren Motive gesucht und gefunden zu haben.
Dirk Jürgensen (Jahrgang 1958) ist ein Düsseldorfer Fotokünstler, dessen Werk größtenteils der Straßenfotografie zuzuordnen ist. Seine Fotografien entstehen in seiner Heimatstadt ebenso wie auf Reisen. Stets wird man ihn mit seiner Kamera antreffen. In verschiedenen Ausstellungen und Publikationen konnten seine Bilder bereits betrachtet werden.
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