Die Sensation am Leid vergeht, sobald die Tränen nach Armut schmecken.
Ich heiße Ausländer. Aufgewachsen in Deutschland, hergestellt in Kasachstan. Importware. Dabei bin ich so russisch wie eine Deutsche, die kein Deutsch kann und so deutsch wie eine Russin, die nie Russisch spricht. Meine Haare sind aus Belarus nach Kasachstan geflohen und meine Augen weinen ukrainische Tränen. "Wir sind hier für eine sicherere Zukunft", sage ich immer, wenn man mich fragt, wo ich wirklich herkomme. Danach fragt keiner mehr weiter, denn mittlerweile gibt es so viele von uns, da gibt es mehr Antworten als Interesse. Wie wertvoll wird eure vermeintliche Sicherheit, wenn der Preis dafür an unserem Leid gemessen wird? Großgeworden im Heim und dennoch heimatlos. Unser Zuhause aufgegeben für ein Versprechen, dass uns nichts mehr schuldet. Winterpause ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin unsere Stimme und wir erzählen unsere Geschichte. Dies ist kein Roman, dies ist die Realität.
Lilija Leanidowna, das zweite Kind einer Migrantenfamilie, die nach dem Zerfall der Sowjetunion in Deutschland eine neue Heimat suchte, fand in ihren Worten ein Ventil für ihren stillen Protest. Ihre Texte verleihen den Stimmlosen eine Stimme, schaffen Raum für das Unausgesprochene und weben aus vergessenen Erinnerungen bewegende Geschichten. Zwischen dem Echo eines verlorenen Gestern und der Sehnsucht nach einem besseren Morgen bewegte sie sich als Fremde in ihrer eigenen Kindheit. Ein Leben inmitten von Ausgrenzung und Heimatlosigkeit führten sie schließlich in den Ruhrpott, wo sie ihre Leidenschaft für das Recht entdeckte. Als Rechtswissenschaftsstudentin und Autorin baut sie nun Brücken zwischen Recht und sozialer Gerechtigkeit. Mit zweiundzwanzig Jahren ist Lilija Leanidowna nicht nur eine Stimme der Zukunft, sondern die Veränderung der Gegenwart.
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