WerkeSchau ist eine Sammlung ausgewählter Fotos Karl Theodor Gremmlers für seine Auftraggeber aus der deutschen Industrie der 1930er Jahre. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts, und verstärkt nach dem Weltkrieg und der anschließenden Wirtschaftskrise, erlebte die Industriefotografie einen raschen Aufstieg. Bilder aus Fabriken, von Maschinen und Produktionsstätten verließen die Schmuddelecke der Fotokunst in dem Maße, in dem auch die Industriebetriebe sauberer, moderner und vorzeigbarer wurden. Beleuchtungstechnik, handlichere Kameras und bessere Filme ermöglichten qualitativ hochwertige Aufnahmen auch in tageslichtarmen Hallen. Diese neuen technischen Möglichkeiten und der aufgekommene Stil des Neuen Sehens weckte das Interesse zahlreicher Firmen an Lichtbildern, besonders als Werbung oder für edel ausgestattete Jubiläumsbände. Gremmlers Bilder zeigen verschiedene Aspekte des Berufslebens der 1930er Jahre und der damals modernen Produktionsmittel und haben somit auch dokumentarischen Charakter. Und obwohl es keine Kunst-, sondern Werbefotografien sind, sind viele dieser Fotos ein Kunstwerk für sich, eine Komposition aus Menschen und ihrem betrieblichen Umfeld - Maschinen, Werkzeugen, Materialien, Räumlichkeiten - in Verbindung mit vielem, was das Neue Sehen ausmachte: neuartige Blickwinkel, ungewohnte Bildausschnitte, exakte und sachliche Erfassung häufig detailreicher Motive.
Karl Theodor Gremmler wurde am 4. Januar 1909 in Hannover geboren. Vermutlich nach einer Ausbildung zum Reklame-Kaufmann wandte er sich Anfang der Dreißiger Jahre als Autodidakt der Fotografie zu. Im Juli 1932 heirate er in Bremen seine Frau Elisabeth, die dem Bauhaus nahestand. Im Oktober desselben Jahres eröffnete Gremmler sein erstes Atelier in der Hansestadt und schon wenige Jahre später war er ein bekannter Werbefotograf mit Aufträgen u.a. von AEG, Telefunken, Bahlsen und Blaupunkt. Seit 1933 arbeitete er für das Nordseemagazin, das Kunden- und Werbemagazin der Deutschen Hochseefischerei AG. Aus der dort entstandenen engen Zusammenarbeit mit dem Verleger Hans Keune ging schließlich die Idee zu "Männer am Netz" und deren baldige Umsetzung hervor. 1939 zog Gremmler nach Berlin, wo er das Atelier von Hein Gorny erworben hatte. Da sich Gornys Pläne, Deutschland zu verlassen, zerschlugen, nutzten die beiden Fotografen das Atelier schließlich gemeinsam Als Fotograf bewegte sich Gremmler wie so viele seiner Kollegen in einem Spannungsfeld zwischen der in den 1920er Jahren aufgekommenen modernen Fotografie der Neuen Sachlichkeit und deren Instrumentalisierung durch die nationalsozialistische Propaganda. Zwischen beruflicher Selbständigkeit und der zunehmenden Omnipräsenz des Regimes und seiner Schergen, nicht zuletzt in Kunst und Wirtschaft. Oder, im Fall Gremmler, zwischen dem Privaten mit seiner Ehefrau, die der Kommunistischen Partei, dem Bauhaus und dem Werkbund nahestand und dem Beruflichen mitsamt der Aufnahme in die gleichgeschaltete und "arisierte" Gesellschaft Deutscher Lichtbildner. Ende 1940 wurde Gremmler zur Wehrmacht eingezogen, im Juni 1941 kam er bei einem Unfall während eines Truppentransports nach Russland in Oberschlesien ums Leben. Zahlreiche beeindruckende Arbeiten sind geblieben von dem schnell in Vergessenheit geratenen Fotografen, unter anderem die Fotografien aus verschiedenen Industriebetrieben seiner Zeit.
Dirk Friedrich ist promovierter Historiker, Autor und Verleger. Aus Leidenschaft für historische Fotografie entstand die Edition »feindunkel«, Bildbände, die einen Blick zurück in eine andere Zeit ermöglichen. Städte und Landschaften, Plätze und Boulevards, Straßen und Häuser: Vergangenes und noch Bestehendes, Unbekanntes und Weltberühmtes und die Menschen von damals - ihre Stile, Moden, Sitten und Bräuche. www.historissima.eu/feindunkel
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