Schlagworte: Vergesslichkeit bei Kindern, Kindliche Entwicklung / Entwicklungspsychologie, Gedächtnis und Lernen, Erziehung ohne Druck, Elternbuch Grundschulalter
Ein Donnerstag im Mai, kurz nach vier. Unsere Tochter rannte ins Wohnzimmer, die Hände voller Gartenerde, den Mund voller Worte. Auf dem Weg vom Garten zur Terrassentür war der Gedanke weg. Was sie danach sagte, hat dieses Buch ausgelöst.
Kinder vergessen. Den Turnbeutel, die Hausaufgabe, das, was sie gerade noch sagen wollten. Erwachsene erklären ihnen dann, wie Gedächtnis richtig funktioniert. Dabei haben Kinder längst ihre eigene Erklärung. Sie ist nicht naiv, sie ist eine Konstruktion. Und oft trifft sie genau das, was die Gedächtnisforschung erst umständlich benennt.
Dieses Buch übersetzt zwischen drei Sprachen, die vom selben Vorgang reden: der des Kindes, der der Wissenschaft und der des Systems aus Schule, Familie und Erwartung, das aus gewöhnlichem Vergessen erst ein Problem macht. Es erklärt nicht, wie man Kindern das Vergessen abgewöhnt. Es fragt, was passiert, wenn man ihnen zuhört.
Geschrieben von zwei Eltern, die beruflich aus verschiedenen Welten kommen, der Pädagogik und der Naturwissenschaft, und die irgendwann verstanden, dass ihre Tochter ihnen etwas erklärt hatte, das in keinem Lehrbuch besser stand.
Kein Ratgeber mit Checklisten. Kein Buch, das ein Kind reparieren will. Eines, das fragt, ob wir richtig hingehört haben.
Julia Lenz kommt aus der Naturwissenschaft. Sie hat gelernt, genau hinzusehen, bevor sie urteilt. In der Mikrobiologie zählt, was sich belegen lässt, nicht, was plausibel klingt. Diese Haltung brachte sie an einen Punkt, an dem die Erklärungen ihrer Tochter sie nicht mehr losließen: Vieles, was das Mädchen über den eigenen Kopf sagte, deckte sich genauer mit der Gedächtnisforschung, als sie erwartet hätte. Als Mutter interessiert sie weniger, ob ein Kind etwas vergisst. Wichtiger ist ihr, warum es das tut und was es selbst darüber weiß.
Martin Lenz
Martin Lenz beschäftigt sich seit Jahren damit, wie Menschen und Organisationen lernen. Beruflich begleitet er Veränderungsprozesse, privat ist er Vater. Sein Blick kommt aus der Pädagogik und dem systemischen Denken: Ihn interessiert nicht das einzelne Verhalten, sondern die Bedingungen, unter denen es entsteht. Dass ausgerechnet seine Tochter ihm erklärte, wie Vergessen funktioniert, hat ihn am Ende weniger überrascht, als er gedacht hätte. Er hatte nur lange nicht richtig zugehört.
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