"Der Himmel war ein einziges, gewaltiges Leuchten. Kein Grau, kein Dunst, nur klare Tiefe. Sterne, so zahl-reich, dass sie wie ein Gewebe wirkten, das die Dunkel-heit zusammenhielt. Ein Streifen der Milchstraße zog sich über ihm wie ein aufgehobener Pfad. Und dann: ein leiser Regen von Sternschnuppen, so fein, dass er wie ein Flüstern wirkte."
Dieser Band versammelt sieben literarische Kurzgeschichten, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem befassen, was bleibt, wenn ein Leben endet. Rüdiger Gies stellt mit diesen Texten nicht den Tod in den Mittelpunkt, sondern erzählt von seinen Nachwirkungen: Erinnerungen kehren zurück, Beziehungen verändern sich, gewohnte Ordnungen geraten ins Wanken. Stilistisch sind die Geschichten ruhig, konzentriert und atmosphärisch. Sie verzichten auf erklärende Deutungen und moralische Setzungen. Stattdessen stehen innere Bilder, Erinnerungsfragmente und leise Beobachtungen im Mittelpunkt. Die Spannung entsteht aus Brüchen, Verschiebungen und dem, was unausgesprochen bleibt. Die Texte bewegen sich zwischen autobiografischer Nähe und literarischer Form, zwischen persönlicher Erfahrung und erzählerischer Verdichtung. Vom Verschwinden und Bleiben richtet sich an Leserinnen und Leser literarischer Prosa, die existenzielle Themen nicht erklärt, sondern erfahrbar gemacht sehen möchten. Dieses Buch erzählt nicht vom Sterben, sondern vom Weiterleben mit dem, was offen bleibt.
Rüdiger Gies (Jahrgang 1961) stammt aus Kaiserslautern und wuchs in Nordrhein-Westfalen auf. Nach einem Musikstudium in Köln arbeitete er viele Jahre als Musiker und Musikpädagoge, später in beratenden und vermittelnden Tätigkeiten im sozialen Bereich. Die intensive Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen prägte seinen Blick auf Konflikte, Verlust, Verantwortung und Neubeginn und schärfte sein Interesse an den psychologischen Kräften, die menschliches Handeln bestimmen. Prägende Lebenserfahrungen, darunter der Verlust naher Angehöriger und enger Freunde, führten dazu, dass er sich zunehmend mit Fragen nach Herkunft, Erinnerung, Traditionslinien und innerer Widerstandskraft auseinandersetzte. Diese Themen flossen in sein literarisches Arbeiten ein und bilden heute einen wesentlichen Bestandteil seines erzählerischen Interesses. Seit seinem Ruhestand widmet er sich verstärkt dem Schreiben. Neben den Kurzgeschichten arbeitet er an weiteren literarischen Projekten, darunter Romane und Kinderbuchideen.
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