Die Geschichte eines Menschen, der zu viel versteht, um ganz zu leben
Tonio Kröger ist ein Fremder im Bürgertum, aus dem er stammt, ebenso wie in der Kunst, zu der er sich berufen fühlt. Als Dichter besitzt er die scharfe Fähigkeit zu Analyse und Distanz. Doch genau diese Begabung trennt ihn vom unmittelbaren Leben, nach dem er sich sehnt. Thomas Manns frühe Meistererzählung von 1903 macht diesen inneren Konflikt zum eigentlichen Schauplatz der Handlung.
Zwischen Hamburg, München und dem Norden seiner Kindheit sucht Tonio nach einem Ort, an dem Geist und Leben einander nicht ausschließen. Seine Sehnsucht gilt dem scheinbar mühelosen Dasein der "Blonden und Blauäugigen", die genießen, ohne zu reflektieren. Doch Kunst, so erkennt er schmerzhaft, entsteht aus Abstand, aus einer Kälte, die Teilnahme verhindert und Beobachtung erzwingt.
In leiser, präziser Sprache entwirft Thomas Mann das Porträt eines Künstlers zwischen Erkenntnis und Liebesbedürfnis. "Tonio Kröger" ist keine Geschichte großer Ereignisse, sondern eine tiefgehende Studie über Identität, Entfremdung und die Frage, ob Kunst ohne Liebe zum Leben bestehen kann. Eine Novelle von überraschender Aktualität und ein Schlüsseltext zum Verständnis von Thomas Manns Werk.
In der Ausgabe werden Worterklärungen für Fremdwörter und veraltete Begriffe gegeben.
Thomas Mann (1875-1955) war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit dem Familienroman "Buddenbrooks" (1901) erlangte er früh Weltruhm und erhielt dafür 1929 den Literaturnobelpreis. Zu seinen wichtigsten Werken zählen außerdem "Der Tod in Venedig", "Der Zauberberg", "Lotte in Weimar" und "Doktor Faustus". Manns Werk kreist um Gegensätze wie Kunst und Bürgerlichkeit, Geist und Leben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er 1933 ins Exil, lebte in der Schweiz und den USA und trat öffentlich gegen das NS-Regime auf. Nach 1952 wohnte er wieder in der Schweiz, wo er 1955 starb.
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