Jede Stadt hat ihre eigene Geografie der Seele, ihren eigenen Takt und ihre eigenen Schatten, die sich im fahlen Licht an den Häuserwänden brechen. Wenn man das Universelle im lokalen Detail sucht - wenn man die Welt in der Lebenswelt seiner eigenen Heimatstadt einfangen will -, dann muss man tief in die Erde und in die Geschichte dieses Bodens graben. Für dieses Buch ist dieser Ort Tettnang. Das ist keine Chronik einer beschaulichen Provinz. Denn je enger der Raum, desto gewaltiger sind die Fliehkräfte der menschlichen Existenz. In den Straßen dieser Stadt, zwischen dem herben Duft des Hopfens, den Mauern der Salons und den verrauchten Winkeln der Wirtschaften, kreuzen sich die Lebenswege von uns - einem "Haufen junger Menschen." Wir lieben, wir hassen, wir suchen nach Halt, und wir flüchten - manchmal vor den Anderen, meistens vor uns selbst. Natürlich kommt auch der Humor, oder das, was manche dafür halten, nicht zu kurz. Tettnanger ist kein Heimatroman. Es ist das Protokoll einer Eigendynamik; irgendwann fing die Geschichte an, von selbst zu laufen. Es ist der Versuch, den Herzschlag unserer Generation - die Postwoodstock-Generation - einzufangen. Denn am Ende zeigt sich die ganze Wahrheit des Menschseins: in all ihrer Schönheit, ihrer Roheit und ihrer nackten, existentiellen Realität.
Daniel Wittig, geboren 1956 in Tettnang. 1970 in der Hopfenernte bei Lochers in Bechlingen. Simon Locher auf dem Traktor, Seppi Reck auf der Kanzel und ich auf dem Wagen. Von dem verdienten Geld haben Seppi und ich unsere ersten Gitarren gekauft. Im Herbst 1970 kam es bei meinem Freund Norbert zu einem Treffen mit Wolfgang Unger. Wir hatten die Absicht zusammen Musik zu machen. Ich lernte das Gitarrenspiel nicht gut genug, um in einer Band zu spielen. Aber mein Interesse an der Musik bestand weiterhin, so wurde ich ein teilnehmender Beobachter der Tettnanger Rockszene.
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