Im Taijiquan fragt man oft nach der Linie: Welchem Stil folgt man? Welchem Meister? Welchem Lehrer? Hinter diesen Fragen steht mehr als nur die Suche nach Herkunft. Es geht um den unsichtbaren Faden, der eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition mit der eigenen Praxis verbindet.
Dieses Buch folgt diesem Faden entlang einer kurzen Form mit neun Bewegungen. Dabei geht es nicht allein um die äußere Gestalt der Bewegungen, sondern um das, was sich in ihnen entdecken lässt: die Bedeutung der Linie, die Beziehung von Körper und Geist, die Intelligenz der Bewegung und die Frage, wie eine traditionelle Bewegungskunst in der Gegenwart lebendig bleiben kann.
Taijiquan ist eine Tradition - aber keine, die nur bewahrt werden will. Sie verändert sich mit jedem Menschen, der sie übt, und mit jeder Zeit, in der sie weitergegeben wird.
Die neun Bilder der kurzen Form werden so zu Ausgangspunkten für Überlegungen über Bewegung, Wahrnehmung und die Zukunft einer alten chinesischen Bewegungskunst.
Yürgen Oster (geb. 1949) ist ein deutscher Daoist und Lehrer der chinesischen Kampfkunst Taijiquan sowie der therapeutischen Praxis des Qigong, die Teil der traditionellen chinesischen Medizin ist. Nach seinem Kunststudium begann er 1976 mit dem Training in Taijiquan und Qigong, was ihn nach London, Colorado und schließlich nach China führte. Er lebte über 15 Jahre mehrere Monate im Jahr in einem daoistischen Tempel in Wudangshan. Heute lebt er als einer der glücklichsten Menschen auf Teneriffa.
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