Schlagworte: Soziale Arbeit und Gemeinwesen, Kunst und Praxis des Zusammenlebens, Konvivenz, Zukunftsgesellschaft, Gegenmodell zu einer destruktiven Gesellschaft
Zuerst einmal möchte ich den vorausgegangenen Band 1 erwähnen. Nicht alle Leser/innen kennen ihn. Er bietet drei sogenannte 'rote Fäden' an, mit denen das ganze Werk durchwoben ist. Sie werden also mit dem zweiten und dritten Band verknüpft und formen das Ganze: Spiritualität Diversität Realitätsbezug beziehungsweise Alltagspraxis.
An ihnen werden die anderen Themen gemessen, denn sie sollen nicht ohne die roten Fäden gedacht werden. Das habt ihr im vorliegenden Buch schon gemerkt.
Im vorliegenden Band 2 diskutieren wir die ersten drei der sieben Merkmale konvivialen Zusammenlebens: Beziehung und Verantwortung, Respekt und Vertrauen, Offenheit und Versöhnung
Sie beschreiben die Kunst des Zusammenlebens. Man könnte sie auch als 'Maxime für ein gutes Miteinander' bezeichnen. Jedes der drei Merkmale steht für sich. Dennoch gehören sie zur Gesamtheit einer konvivialen Gemeinschaft. Keines kann herausgelöst werden und keines steht für sich allein.
Die folgenden vier Merkmale beschreiben die Praxis und schließen mit dem Band 3 das Werk ab. Man könnte sie auch sozialpädagogische Prinzipien nennen, die Haltungen in der sozialen Arbeit beschreiben. Sie sind an der Praxis orientiert, denn sie spiegeln aktuelle sozialpädagogische Arbeit wider. Allerdings stehen sie für sich allein und bilden je nach Bedarf wechselnde Schwerpunkte der Arbeit in konvivialen Gemeinschaften. Ohne sie würde das Konvivenzmodell ein Theoriekonstrukt bleiben. Es sind dies: Nachhaltigkeit und Bürgschaft, Teilhabe-Gerechtigkeit und Selbstbestimmung, Ermächtigung und Ermutigung, Anwaltschaft, Protest und Radikalität.
Alle Merkmale schließen mit Resümees ab, die in Form einer ergebnisoffenen Diskussion vorgestellt werden. Sie sollen die Kapitel abrunden, bilden aber keinen endgültigen Abschluss. Vielmehr bilden sie Impulse zum Weiterdenken, denn Konvivenz bedeutet stets Weiterentwicklung.
Die Konvivenzdebatte erhebt keinen(!) Anspruch auf Vollständigkeit und schon gar nicht auf Endgültigkeit. Betrachten wir sie einfach als Momentaufnahme. Die Merkmale enthalten sicherlich Kernaussagen sowie Erfahrungen und bilden einen großen Orientierungsrahmen. Es ist ein erstes Ergebnis, das hoffentlich weiterlebt, neue Impulse bekommt und sich in der ständigen Kommunikation mit einer sich stetig verändernden Gesellschaft weiterentwickelt.
Dafür bleibt die Leserin / der Leser verantwortlich!
Lauf bei Nürnberg ist die Wahlheimat des Autors. Der Weg dorthin führte über die Ausbildung zum Diakon und die erste Stelle als Jugendreferent im Dekanat Hersbruck. Im Missionswerk Neuendettelsau begleitete Fritz Blanz die Jugendpartnerschaften nach Tansania und Papua-Neuguinea. In dieser Zeit setzte er sich mit dem Kolonialismus und der Erinnerung an 500 Jahre Eroberung Lateinamerikas auseinander.
Infolge des Bosnienkriegs kam der Aufbau der Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Nordbayern, die er acht Jahre leitete. Die Referentenstelle für Armutsfragen, Katastrophenhilfe, Förderung ausländischer Student/innen und Osteuropa im Diakonischen Werk Bayern war die letzte Station in einem bewegten und sehr sinnerfüllten Berufsleben.
Zahlreiche Erfahrungen und nicht zuletzt die vierzehnjährige Mitarbeit in der Konvivenz Arbeitsgruppe des Lutherischen Weltbundes begleiten die Inhalte des Buchs. Sein Ziel ist es, die Konvivenz-Idee im deutschen Sprachraum bekannt zu machen und die Debatte über eine lebenswerte Zukunft mitzugestalten oder, wie es im Konvivenzprozess heißt, den Weg zu einer 'Kunst und Praxis des Zusammenlebens' mit anderen Menschen zu suchen.
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