Symbole begegnen dem Forscher auf allen Kulturgebieten; in der Religion und der Kunst so gut wie im Rechts- und Staatsleben. Unser Denken und Sprechen, Handeln und Gestalten geht mit Hilfe von Symbolen vor sich; die kostbarsten und unzerstörbarsten Güter, die das Menschengeschlecht besitzt, sind Symbole oder symbolisch ausgedrückte Werte. Diese Tatsache entging den Gelehrten der letzten Generationen oder, wenn sie sie zugeben mußten, erkannten sie nicht ihre Bedeutung. Sie standen im Banne des Glaubens, daß wohl die unreifen und kulturarmen Völker symbolisch dächten und lebten, daß aber die Kulturmenschheit der symbolischen Auffassung mehr und mehr entwachsen sei. Die Forscher entlehnten diese falsche Meinung den kritischen Zeitströmungen, die sich gegen den Symbolbesitz der überlieferten Religion und dessen kirchliche Dogmatisierung richteten. Auf diese Zeit der Kritik ist heute eine Zeit des Aufbaues gefolgt; die Menschen fühlen in wachsendem Maße den Mangel an Symbolen als eine geistige Verarmung; sie suchen alte Symbole zu beleben oder neue zu finden. Dadurch wird die Forschung angeregt, die älteren Symbolschätze des Menschengeschlechts eifriger als bisher zu studieren, ihren Ursprung, ihre Geschichte, ihren Zusammenhang durch die Zeiten und Völker aufzudecken und den Sinn jener merkwürdigen Gebilde des menschlichen Geistes, die das Glück von Millionen ausgemacht haben und auch weiterhin ausmachen werden, zu erklären. Infolgedessen hat in den letzten Jahrzehnten eine rege Symbolforschung eingesetzt. [Aus der »Einleitung«]
Der Text des Neusatzes folgt der Auflage von 1924, erschienen in Heidelberg. Die alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
August Horneffer (1875-1955), Philologe, Philosoph, Freimaurer und Übersetzer, studierte er an der Berliner Universität Philologie, Philosophie und Musikwissenschaft. Am 4. Mai 1898 erlangte er dort die philosophische Doktorwürde. Im Jahre 1900 folgte er einem Ruf an das Nietzsche-Archiv in Weimar, wo er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ernst Horneffer an der Herausgabe des Nachlasses Friedrich Nietzsches arbeitete. Nach einer Tätigkeit als Privatlehrer in der Schweiz und einer längeren Italienreise ging er zu Émile Jaques-Dalcroze nach Hellerau in Dresden. Während dieser Jahre beschäftigte er sich als freier Schriftsteller und Übersetzer griechischer und lateinischer Autoren. Horneffer lebte von 1909 bis 1923 in Solln bei München. Am 19. März 1911 wurde er in der Loge »Zum aufgehenden Licht an der Isar« zum Freimaurer aufgenommen. Bereits 1913 erschien sein erstes diesbezügliches Buch »Der Bund der Freimaurer«. Schon im Jahre 1912 war sein großes religionswissenschaftliches Werk »Der Priester. Seine Vergangenheit und seine Zukunft« erschienen. 1915 wurde er für kurze Zeit zum Kriegsdienst eingezogen, kam aber bald wieder frei und konnte sich seiner erzieherischen und freimaurerischen Arbeit widmen. Einen Niederschlag fanden seine Studien 1916 in dem aufsehenerregenden Buch »Symbolik der Mysterienbünde«. Zahlreiche Vortragsreisen führten Horneffer in Freimaurerlogen im In- und Ausland. Im Jahre 1923 wurde August Horneffer von der »Große Loge von Preußen« nach Berlin gerufen, um die Reorganisation der Großloge in die Hand zu nehmen und deren Zeitschrift zu redigieren. Während der NS-Zeit lebte August Horneffer in Berlin, wobei er im Krieg mehrfach ausgebombt wurde. Unmittelbar nach Kriegsende bemühte er sich um den Wiederaufbau der Freimaurerei.
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