Semantic Physics beschreibt eine bislang unterschaetzte Klasse von Fehlermodi in autonomen Systemen: Situationen, in denen Maschinen technisch korrekt funktionieren und dennoch global inkohaerente oder unzulaessige Entscheidungen erzeugen. Diese Fehler entstehen nicht durch defekte Sensoren, schlechte Daten oder mangelhafte Optimierung, sondern durch strukturelle Nicht-Einbettbarkeit - lokal gueltige Repraesentationen lassen sich nicht zu einer global kohaerenten Handlung zusammensetzen. Ausgehend vom Konzept des Semantic Gap entwickelt das Buch einen architektonischen Rahmen, der Bedeutung nicht als Interpretation oder Weltmodell versteht, sondern als Constraint-Struktur. Meaning fungiert als Menge nicht verhandelbarer Zulässigkeitsbedingungen, die bestimmen, welche Aktionen überhaupt existieren dürfen. Wahrscheinlichkeit oder Nutzen legitimieren keine Handlung; entscheidend ist ihre strukturelle Einbettbarkeit. Semantic Physics ergänzt bestehende Entscheidungs- und Sicherheitsarchitekturen um eine semantische Ebene, die als Admissibility-Filter wirkt. Diese Ebene optimiert nicht - sie begrenzt. Sie erkennt frühzeitig, wenn lokal korrekte Entscheidungen global nicht realisierbar sind, und macht strukturelle Inkohärenz sichtbar, bevor klassische Leistungsmetriken versagen. Konzepte wie Semantic Stability, Authority, Semantic Logs und das Prinzip der strukturellen Verweigerung ermöglichen eine neue Form technischer Governance: nicht als moralische Bewertung, sondern als Sicherung globaler Widerspruchsfreiheit. Ziel des Ansatzes ist nicht, Systeme intelligenter oder "ethischer" zu machen, sondern ihre Entscheidungsräume überprüfbar zu begrenzen. Semantic Physics verschiebt den Fokus von Optimierung hin zu struktureller Zulässigkeit und schafft damit eine Grundlage für auditierbare, beherrschbare autonome Systeme - besonders unter Unsicherheit und Entscheidungsdruck. Das Buch ist der zweite Band nach "Semantic Safety" innerhalb der Reihe "The Semantic Systems Series". Gemeinsam entwickeln beide Werke eine Theorie zur strukturellen Analyse und Governance semantischer Entscheidungsarchitekturen in autonomen und sozio-technischen Systemen.
Markus Dören ist Autor, unabhängiger Denker und Entwickler konzeptioneller Frameworks an der Schnittstelle von autonomen Systemen, Entscheidungsarchitekturen und struktureller Semantik. Seine Arbeit untersucht nicht primär technische Leistungsfähigkeit, sondern die Bedingungen, unter denen Entscheidungen kohärent, zulässig und systemisch eingebettet bleiben. Mit den Büchern Semantic Safety und Semantic Physics begründet er die Reihe The Semantic Systems Series, die sich mit semantischen Risiken, Admissibility-Strukturen und der Governance komplexer sozio-technischer Systeme befasst. Sein Ansatz verbindet Elemente aus Systems Theory, Entscheidungswissenschaft, Sicherheitsarchitektur und formaler Semantik zu einem eigenständigen diagnostischen Rahmen. Neben seiner publizistischen Arbeit beschäftigt sich Markus Dören mit praktischen Anwendungen autonomer und datengetriebener Systeme, insbesondere dort, wo technische Korrektheit nicht automatisch zu kontextueller Kohärenz führt. Seine Arbeit richtet sich an Ingenieure, Forscher und Entscheidungsträger, die strukturelle Grenzen moderner Automatisierung verstehen und gestalten wollen. Er lebt und arbeitet in Würzburg.
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