Schriften zur Literatur Band 1
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Schriften zur Literatur Band 1

Thomas Mann

Film, Kunst & Kultur

Hardcover

516 Seiten

ISBN-13: 9783966625906

Verlag: Boer

Erscheinungsdatum: 01.07.2026

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Klassiker der Weltliteratur, Schriftsteller und Literatur, Kultur und Geschichte, Interpretation und Sinn, Das 20. Jahrhundert

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[Über Fontane]
In seinem Gemüt wußte er sich nicht nur unabhängig von den »etablierten Mächten«, sondern hielt es für töricht, mit der Menschheit überhaupt, mit Beifall, Zustimmung, Ehren zu rechnen, als ob damit etwas getan wäre. »Wir müssen«, sagt er, »vielmehr unsere Seele mit dem Glauben an die Nichtigkeit dieser Dinge ganz erfüllen und unser Glück einzig und allein in der Arbeit, in dem Betätigen unser selbst finden«; und was etwa noch den Reichtum betrifft, so ging seine Geringschätzung dieses Glücksmittels gelegentlich bis zum Mitleid. »Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um. Je älter ich werde, je tiefer empfinde ich, soll heißen: je schärfer beobachte ich den Fluch des Goldes. Es scheint doch fast wie göttlicher Wille, daß sich der Mensch sein täglich Brot verdienen soll, der Minister natürlich anders als der Tagelöhner, aber immer Arbeit mit bescheidenem Lohn. Ererbte Millionen sind nur Unglücksquellen, und selbst die reichen Philanthropen sind elend, weil das Studium der Niedertracht und Undankbarkeit der Menschen ihnen ihr Tun verleidet.« Immerhin: sein Verhältnis zum Reichtum großen Stils war Neidlosigkeit, nicht Verachtung, und wenn er für seine Person wohl dem Satze Silvio Pellicos zustimmte, daß jene Lage, die zwischen arm und reich in der Mitte liegt und also die Kenntnis beider Zustände leichter macht, am geeignetsten ist, das Gemüt der Menschen zu bilden, so nötigte doch sein Dichtersinn für Größe ihm, ähnlich wie es bei Heine den Rothschilds gegenüber der Fall war, für großartigen Reichtum ästhetische Bewunderung ab.
Thomas Mann

Thomas Mann

Thomas Mann (1875-1955) war einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Dem 1901 erschienenen ersten Roman »Buddenbrooks« folgten Novellen und Erzählungen wie »Tonio Kröger«, »Tristan« und »Der Tod in Venedig«. Der 1924 veröffentlichte Roman »Der Zauberberg«, mit dem er die Tradition des europäischen Bildungsromans fortführte, zeigt Manns Gestaltungskunst: Der Erzähler wahrt eine skeptisch- ironische Distanz zu den Figuren, typische Konstellationen kehren leitmotivisch wieder, und es herrscht ein syntaktisch komplexer, anspruchsvoller Stil. Diese Merkmale prägen auch die folgenden Veröffentlichungen, unter denen die Novelle »Mario und der Zauberer«, die Romantetralogie »Joseph und seine Brüder« sowie das Spätwerk »Doktor Faustus« hervorzuheben sind. Weithin Beachtung fanden auch seine Essays und Stellungnahmen zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Stand er der westlichen Demokratie zunächst skeptisch gegenüber, wandelte er sich zu Beginn der 1920er Jahre zu einem überzeugten Verteidiger der Weimarer Republik. Während der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte er 1933 in die Schweiz und 1938 in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Von 1952 bis zu seinem Tod lebte er wieder in der Schweiz. Thomas Mann entstammte der angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie Mann. Sein älterer Bruder Heinrich und vier seiner sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo und Monika, waren ebenfalls Schriftsteller.

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