In Sassnitz, als der Hafen noch nach Teer, Salz und Heringszeit roch, lebt ein Fischer, der mehr mit Netzen als mit Menschen spricht. Er kennt jede Planke am Kai, jeden Windwechsel vor der Küste, die kurzen Sätze der Männer und das lange Schweigen nach Feierabend. Doch eines Morgens zieht er mit dem Fang etwas an Bord, das nicht in die Kiste gehört und sich nicht wie Ware behandeln lässt.
Was wie ein seltsamer Zufall beginnt, wird zum leisen Umschlag eines Lebens: Gespräche im Schuppen, Wege durch die Gassen über dem Hafen, Blicke, die im Ort hängen bleiben, und eine Begegnung, die Wärme bringt, ohne das Harte der Arbeit zu beschönigen. Zwischen Fang und Verkauf, Gerede und Abendstille, wächst eine Nähe, die in einem Küstenort nie ganz privat bleibt.
Ein Fischerleben im Jahr 1930 ist ein Roman für alle, die Rügen kennen: den Wind, der an Türen zerrt, das Licht über der See, die Eigenheit der Orte, in denen jeder jeden sieht. Eine Geschichte von Sassnitz, wie es war, und von dem, was bleibt, wenn man das Gewohnte einen Augenblick aus der Hand legt.
Herold zu Moschdehner ist ein deutscher Autor, der zwischen Reportage und Erzählkunst schreibt und sich bevorzugt dort aufhält, wo Wirklichkeit nach Salz, Holz und Alltag riecht. Seine Bücher kreisen um Orte, die man nicht erfinden muss, weil sie bereits eine eigene Sprache besitzen: Häfen, Kleinstädte, Landstraßen, Arbeitsräume. Er arbeitet mit genauer Beobachtung, knappen Dialogen und einem Ton, der das Unaufgeregte ernst nimmt.
Moschdehner veröffentlicht seit Jahren eine Vielzahl eigenständiger Titel in unterschiedlichen Formen, von literarischen Heimatstoffen bis zu dokumentarisch anmutenden Texten, und versteht das Buch als Gegenstand, der nicht erklären, sondern bewahren soll. Wenn er schreibt, rückt er das Milieu nah heran, ohne es auszustellen: Menschen, Berufe und Landschaften stehen bei ihm nicht als Kulisse, sondern als Druck und Trost zugleich.
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