Polen, 1763. König August III. sehnt sich nach Dresden, nach Oper, Jagd und den vertrauten Bildern einer Welt, die noch immer unerschütterlich scheint. An seiner Seite hält Heinrich von Brühl mit Geschick und Intrigen ein Gefüge zusammen, das längst Risse zeigt. In Litauen ringen währenddessen die Radziwills und Czartoryskis um die Macht, russische Truppen stehen bereit. Und hinter höfischen Verhandlungen lauert bereits die Gewalt. Mitten in diesen Wirren verfolgt Rittmeister Klemens Toloczko ein ganz anderes Ziel. Er hat sich in die junge Aniela Koiszewska verliebt, die zwischen der strengen Welt ihrer Mutter und den Verlockungen einer neuen, französisch geprägten Gesellschaft ihren eigenen Weg sucht. Doch auch ihr Schicksal gerät in den Sog jener Kräfte, die um Polen kämpfen. Noch residiert August III. als König. Noch zieht Brühl die Fäden. Noch wird gefeiert, geliebt und intrigiert. Doch über Warschau, Vilnius und Dresden liegt bereits das Zwielicht einer Epoche. Und niemand ahnt, wie nahe die Nacht schon ist.
Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887) zählt zu den produktivsten Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Sein gewaltiges Werk umfasst Hunderte Romane, Erzählungen und historische Schriften. Einen besonderen Rang nimmt darin die Geschichte der polnisch-sächsischen Union ein. Von 1863 bis 1883 lebte Kraszewski im Dresdner Exil. Die Stadt wurde für zwei Jahrzehnte zu seinem Lebensmittelpunkt und zu einem wich-tigen Ort seines Schaffens. Hier entstanden zahlreiche historische Romane über August den Starken, August III. und ihre Zeit, darunter die berühmte Sachsen-Trilogie mit Gräfin Cosel, Brühl und Aus dem Sieben-jährigen Krieg. Die sächsischen Stoffe bilden damit einen der bedeutendsten historischen Themenkreise seines Gesamtwerks. Seine Dresdner Jahre endeten tragisch. 1883 wurde Kraszewski wegen seiner geheimen Zusammenarbeit mit Frankreich verhaftet und später zu Festungshaft verurteilt. Schwer erkrankt, kam er vorzeitig frei, konnte aber nicht mehr in sein Dresdner Leben zurückkehren. Seine letzten Jahre verbrachte er in Italien und der Schweiz. In San Remo vollendete Kraszewski 1886 den Roman Saskie ostatki, der hier unter dem Titel Sachsendämmerung vorliegt. Das erst 1889 postum erschienene Werk beschließt nicht nur seinen großen Zyklus zur Geschichte Polens, sondern ist zugleich Kraszewskis letzter Blick auf jene sächsisch-polnische Welt, die ihn als Schriftsteller und Dresdner Exilanten über Jahrzehnte beschäftigt hatte.
Christoph Münch, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist Autor und Journalist mit Schwerpunkt auf Musik-, Kultur- und Dresdner Stadtgeschichte. Er studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Musikwissenschaft, Germanistik und Geschichte und erhielt parallel eine journalistische Ausbildung in München. Für seine Magisterarbeit über die Musikgeschichte der Reichsabtei Lorsch forschte er am Päpstlichen Institut für Kirchenmusik und an der Vatikanischen Bibliothek in Rom. Seit 1994 lebt und arbeitet Münch in Dresden. Hauptberuflich ist er für die städtische Tourismusorganisation tätig. Daneben veröffentlichte er Beiträge für Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Reiseführer. Jüngste Veröffentlichungen: 2020: Dresden - 500 Orte der Musik. 2022: Hans Jelmoli: Franz Curti. Die erste Biographie - herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Christoph Münch. 2025: Kleiner Einblick in die Geschichte des Elbvenezianischen Carnevals, in: Dresdner Hefte 163. 2026: Dresdner Lustbarkeiten. Geschichten zum Carneval.
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