Wir schreiben das Jahr 1982. Es gibt keine Mobiltelefone, kein Internet und keine Elektroautos. Werner Höfer leitet den "Internationalen Frühschoppen". In der Nacht zum 2. April landen argentinische Truppen auf den Falklandinseln. Zeitgleich tobt in Hamburg eine Trennungsschlacht zwischen Kim und dem Erzähler Lojo. So beginnt der wiederentdeckte Roman "Port Stanley ist gefallen" von Joachim Lottmann, Erfinder der Popliteratur. Sein Debüt "Mai, Juni, Juli" erschien 1987, doch schon Jahre zuvor hatte er seinen unverkennbaren Sound zwischen bissiger Gesellschaftskritik, luzidem Popdiskurs und lapidarer Innenschau entwickelt. Am 14. Juni 1982 endete der Falklandkrieg mit der Kapitulation der argentinischen Truppen - Port Stanley, die Hauptstadt der Insel, war gefallen. Der in dieser Zeit entstandene Roman beschreibt eine "Trennungsschlacht" zweier Menschen, die einander in unerreichbarer Nähe halten. Joachim Lottmann scheucht für die Rückeroberung Kims sein tollpatschiges Alter Ego durch Hamburg, in angesagte Clubs, Zeitungsredaktionen und Friseursalons. Die Schauplatzwechsel geschehen im verlässlichen "Wehrmachtskäfer". Der Roman von Joachim Lottmann - fünf Jahre vor "Mai, Juni, Juli" geschrieben - widmet sich einer neuen Generation, die sich radikal von der dominierenden 70er-Jahre-Protestgeneration abhebt: Gegen alternative Lebensentwürfe, gegen Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Aber für Tradition, zeitloses Dandytum, forcierte literarische Bildung, Eleganz, stilvolles Outfit und neue, intelligente Popmusik - vor allem deutsche.
Joachim Lottmann wurde Ende der 50er Jahre in Hamburg geboren. Kurz danach zog die Familie in den Bayerischen Wald, den der Autor oft als "Bayrisch-Kongo" verspottete. Diese Gegend sollte seine Kindheit verdunkeln. Umso heller erschien dem jungen Mann das Leben, als man nach Hamburg zurückkehrte. Dieser Optimismus hat ihn nie mehr verlassen und strahlt durch alle seine Bücher. 1987 brachte der Roman "Mai, Juni, Juli" den Durchbruch. Die literarische Szene diskutierte diese neue, affirmative Art der "Lebensliteratur". Erst Jahre später setzte sich der Begriff "Popliteratur" durch, als Christian Kracht, Rainald Goetz und Benjamin von Stuckrad-Barre Lottmanns Schreibweise und Stil übernahmen. Nach einer zehnjährigen Durststrecke mit schweren beruflichen und privaten Niederlagen konnte er mit "Die Jugend von heute" (2004) und "Endlich Kokain" (2014) in diesem Jahrhundert an seine früheren Erfolge anknüpfen. Er schreibt regelmäßig für renommierte Zeitungen und Zeitschriften. Lottmann ist mit einer Wienerin verheiratet und lebt in Wien und Berlin. Im VTA-Verlag Berlin erschien 2025 "Die Euphorie des Schriftstellers beim Weltuntergang".
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