Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Sinn des Lebens und Sinn im Leben durch Final Fantasy XIV anhand einer ideengeschichtlich-hypertextuellen Analyse seiner narrativen, philosophischen und medialen Strukturen. Im Zentrum steht die These, dass Sinn nicht von einem endgültigen Ziel- oder Vollendungszustand ausgehend entsteht, sondern gerade durch die strukturelle Unabschließbarkeit der Sinnbildung. Die Analyse zeigt, dass die sinnhafte Existenz auf unterschiedlichen Ebenen durch zyklische Prozesse der De- und Rekonstruktion geprägt ist: Historische, gesellschaftliche, kulturelle und individuelle Sinnordnungen werden fortwährend erzeugt, destabilisiert und neu ausgehandelt. Leid erhält innerhalb dieser Struktur eine besondere Funktion. Es wird weder als intrinsisch wertvoll noch lediglich als zu überwindendes Moment verstanden, sondern als Ausdruck und Auslöser (Agent) jener Differenzen, Verluste und Konflikte, durch welche endgültige Schließung verhindert und erneute Sinnkonstruktion ermöglicht wird. Demgegenüber erscheint die Vollendung, unabhängig davon, ob sie als Erlösung, Perfektion, Vernichtung oder andere Form eines Eschatos gedacht wird, als monovalente Singularität, in der Bewegung, Differenz und damit die Möglichkeit weiterer Sinnbildung zum Erliegen kommen. Sinn konstituiert sich folglich als polyvalenter und perspektivischer Prozess, dessen qualitative Evidenz letztlich an die phänomenologische Erfahrung des Subjekts gebunden bleibt. Final Fantasy XIV entwirft damit Sinn als eine prinzipiell unabschließbare Reise: Nicht das Erreichen eines letzten Zwecks, sondern die fortgesetzte Möglichkeit, Welt-, Selbst- und Gesellschaftsordnungen zu de- und rekonstruieren, bildet die strukturelle Bedingung von Sinnhaftigkeit.
Joschka Müllers verbindet Philosophie, Literatur und digitale Erzählkultur. Er studierte an der Ruhr-Universität Bochum Germanistik, Philosophie, Medienwissenschaften, Bildungswissenschaften und Japanologie. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die Frage, wie Videospiele philosophische Gedanken aufgreifen, erzählerisch erfahrbar machen und eigenständig weiterentwickeln.
Besonders intensiv beschäftigt er sich mit den digitalen Erzählwelten von »Final Fantasy XIV«. Dabei verbindet er literaturwissenschaftliche Analyse mit philosophischen und didaktischen Perspektiven. Seine Überlegungen stellte er unter anderem an der Hochschule Bielefeld vor. Für die nachvollziehbare wissenschaftliche Dokumentation von Videospielinhalten entwickelte er einen eigenen Zitieransatz, die »Surrogativ-Quelle«.
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit bringt Müllers Erfahrung im Unterricht der Fächer Deutsch und Philosophie sowie als Referent in der Erwachsenenbildung mit. Seit vielen Jahren engagiert er sich in der literarischen Kulturarbeit; seit 2024 gehört er dem Vorstand der Literarischen Gesellschaft Bochum an.
Mit der Reihe »Philosophieren im Kontext digitaler Lebenswelten« führt er seine Interessen an philosophischer Reflexion, Literatur und digitalen Medien zusammen. Sein Blick richtet sich dabei auf Videospiele als Erzähl- und Denkräume, in denen grundlegende Fragen nach Sinn, Leiden und menschlicher Existenz verhandelt werden.
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