Was passiert, wenn alles funktioniert? Ein System, das keine Fehler mehr kennt. Eine Gesellschaft ohne Konflikte. Beziehungen ohne Verletzung. Ein Leben, in dem jede Entscheidung optimal ist. Schritt für Schritt verschwindet, was einst notwendig war: Zufall. Abweichung. Zweifel. Was bleibt, ist Stabilität. Berechenbarkeit. Kontrolle. Und eine kaum merkliche Verschiebung: Nicht mehr die Ziele sind entscheidend - sondern dass alles läuft. In sieben gedanklichen Bewegungen entwirft Perfekt eine Welt, in der Fortschritt zum Selbstzweck wird, in der jede Verbesserung nur der Ausgangspunkt der nächsten ist, und in der selbst die Frage nach dem Warum nicht mehr vorgesehen ist. Alles ist richtig. Alles ist effizient. Alles ist... perfekt. Oder? Läuft es?
Man kann schreiben, um Antworten zu finden. Man kann schreiben, um Fragen offen zu halten. Oder man schreibt, um zu beobachten, was passiert, wenn man einen Gedanken nicht abbricht. Thorsten Lux gehört zur dritten Sorte. Geboren 1971 in Gießen, wuchs er mit Zweifeln auf - und ließ sie stehen. Nicht, weil sie sich nicht auflösen ließen, sondern weil sie sich weiterführen ließen. Unter dem Namen Reim und Klang macht er seit knapp dreißig Jahren Radio, dreht Filme mit Freunden und beschäftigt sich mit dem, was zwischen den Dingen liegt - mit Übergängen, Verschiebungen und den Momenten, in denen etwas kippt. Seine Texte folgen keinem Thema, sondern einer Bewegung: Gedanken werden präzisiert, fortgeführt, verdichtet - bis aus Lösungen neue Probleme entstehen, aus Ordnung Systeme, und aus Antworten neue Fragen. Er schreibt über das Menschsein: über Angst und Gerechtigkeit, über Veränderung, Würde und Humor. Über das, was sichtbar wird, wenn man aufhört, Dinge zu vereinfachen. Seine Texte sind klar, manchmal unbequem und immer persönlich. Nicht, weil sie Antworten geben - sondern weil sie zeigen, was passiert, wenn man darauf verzichtet.
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