Schlagworte: Klassiker der sozialisten Literatur, Nach der Russischen Revolution, Russland und Deutschland, Innenansicht einer Russin, Politische Ansichten
Zu der winzigen Zahl der Intellektuellen, die nicht nur entschieden zum kämpfenden Proletariat übertrat, sondern übertrat mit tiefem Bewußtsein der weltgeschichtlichen Bedeutung der Ereig-nisse, mit tiefem Glauben an den Sieg, ja, mit einem Aufjauchzen gehörte Larissa Reissner. Obwohl erst zweiundzwanzig Jahre alt, als die Todesstunde des bürgerlichen Rußlands geschlagen hatte, hat sie den zehnten Jahrestag der Revolution nicht erlebt, in deren Reihen sie todesmutig mit der Waffe in der Hand gekämpft hat, deren Schlachten sie beschrieben hat, wie es nur möglich ist, wenn sich in einem Menschen ein großer Künstler mit einem großen Kämpfer vereinigt. [Aus dem Vorwort]
Larissa Reissner (1895-1926), russisch-sowjetische Schriftstellerin und Revolutionärin, die auch in deutscher Sprache schrieb. Larissa Reissner war die Tochter des deutschstämmigen Rechtswissenschaftlers Michail Reissner, der 1896 aus Russland emigrieren mußte, nachdem er ein juristisches Gutachten zugunsten von Revolutionären verfaßt hatte. Larissa besuchte Schulen in Frankreich und Deutschland. Durch ihren Vater lernte sie schon als Kind August Bebel, Karl Liebknecht und auch Lenin persönlich kennen. 1906 kehrten sie nach Russland zurück. Als Kriegsgegnerin gab Larissa Reissner während des Ersten Weltkriegs mit ihrem Vater die antimilitaristische Zeitschrift »Rudin« heraus. Als Herausgeberin bemühte sie sich darum, jungen Talenten den Weg zu ebnen. Außerdem arbeitete Reissner an verschiedenen Projekten Maxim Gorkis und nach der Februarrevolution 1917 an der linkssozialistischen Tageszeitung »Nowaja Schisn« mit. 1917 beteiligte sich Larissa Reissner an der Tätigkeit der Kommission für die Künste des »Exekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten« und nahm aktiv an der Oktoberrevolution und dem Bürgerkrieg teil. Sie arbeitete als Sekretärin des Volkskommissariats für Bildung unter Anatoli W. Lunatscharski. 1918 trat sie in die bolschewistische Partei ein. Sie diente in der Roten Armee und der Marine und heiratete 1918 den sowjetischen Flottenkommandeur Fjodor Raskolnikow, der 1917 die Kronstädter Matrosen angeführt hatte. 1919 war sie mehrere Monate lang Kommissarin des Generalstabs der Roten Flotte. 1921 war Larissa Reissner in Afghanistan als Teil der sowjetischen diplomatischen Mission, deren Leiter ihr Ehemann Fjodor Raskolnikow war. Das Ergebnis der Tätigkeit der jungen Diplomaten war die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen den beiden Ländern. Reissner bereiste sowohl die Sowjetunion als auch das westliche Ausland und faßte ihre Erlebnisse in Reiseberichten zusammen, deren bekanntester »Hamburg auf den Barrikaden« ist. Im Alter von 30 Jahren starb sie in einem Moskauer Krankenhaus an Typhus. [Quelle: Wikipedia]
Karl Radek (Hrsg.)
Karl Radek (1885-1939), Journalist und Politiker, gehörte anfangs zu den führenden Politikern in der polnischen und deutschen Sozialdemokratie. Er trat 1904 der Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Litauens (SDKPiL) bei. Wegen seiner Beteiligung an der russischen Revolution von 1905 inhaftierten ihn die russischen Behörden für ein Jahr. 1907 emigrierte Radek nach Deutschland, wo er Mitglied der SPD wurde. Er veröffentlichte in der Göppinger Freien Volkszeitung und der Leipziger Volkszeitung heftige Angriffe auf Karl Kautsky und dessen neue Ultraimperialismus-Theorie. Nachdem Friedrich Ebert auf dem Parteitag 1912 klar Stellung gegen Radek bezogen hatte, wurde er auch aus der SPD ausgeschlossen. Er schloß sich dann, schon vor dem Ersten Weltkrieg, dem späteren Revolutionsführer Lenin an und war einer seiner Vertrauensleute im Schweizer Exil. In der Zeit der Februarrevolution 1917 in Russland redigierte Radek in Stockholm die Zeitschrift »Der Bote der russischen Revolution« und nach der Oktoberrevolution 1917/18 das Petersburger Blatt »Der Völkerfriede« sowie das Moskauer Blatt »Die Weltrevolution«. Radek begleitete Lenin im April 1917 auf dessen Rückreise nach Russland über Deutschland und Schweden. Er wurde in Folge 1918 Delegierter bei den Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Sowjetrussland, die zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk führten. Ende 1918 reiste er illegal nach Deutschland ein. Nach seiner Freilassung Ende Januar 1920 ging Radek nach Moskau. Bei der Sowjetführung galt er nun als Deutschlandspezialist. Im März 1920 wurde er Sekretär für Deutschland im Exekutivkomitee der Komintern. Im September 1923 lernte Radek die sowjetische Schriftstellerin und Revolutionärin Larissa Reissner kennen und war mit ihr bis zu ihrem Tod 1926 liiert. In den 1920er Jahren gehörte Radek als Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU (bis 1924) zur Opposition um Trotzki, wurde 1927 aus der Partei ausgeschlossen und nach Sibirien verbannt. Nach der Rückkehr und seiner Selbstkritik war er als Redakteur der »Iswestija« tätig. 1937 wurde er als Anhänger Trotzkis im zweiten Moskauer Schauprozess angeklagt und zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Dort wurde er von Mithäftlingen umgebracht.
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