Sie sind nicht faul. Sie haben nur das falsche Werkzeug. Der Zettel hängt seit vier Jahren am Kühlschrank. Werner ist der Mann, den alle fragen, wenn etwas gemacht werden muss. Nur den Umschlag in der Küchenschublade öffnet er nicht. Und er weiß nicht, warum. Dieses Buch nimmt die gängigste aller Erklärungen auseinander: dass es an Disziplin fehle, an Willenskraft, an Biss. Es zeigt, was die Forschung der letzten fünfundzwanzig Jahre tatsächlich gefunden hat und was von ihren berühmtesten Befunden bei der Nachprüfung zerbrochen ist. Der Willenskraft-Muskel. Der Marshmallow-Test. Die einundzwanzig Tage. Wo ein Befund nicht mehr hält, steht das hier. Wo eine populäre Methode nie überprüft wurde, steht das auch. Was übrig bleibt, ist eine unbequeme, aber befreiende Einsicht: Menschen, die ihr Leben im Griff haben, kämpfen nicht besser. Sie kämpfen seltener. Ihre Ordnung liegt nicht in ihrem Charakter, sondern in ihren Umständen, in lauter kleinen Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass der große Moment des Sich-Zusammenreißens gar nicht erst kommt. Frank Kralemann erzählt von Werner, von Kerstin und ihrem umgedrehten Telefon, von Marion und dem Umschlag mit dem Prüfungsgeld. Am Ende stehen vier Blätter Papier und ein Kugelschreiber, mehr nicht. Kein Anfeuern, keine Tabellen, keine Skala von eins bis zehn. Selbstführung ist nicht der Sieg über sich selbst, sondern die Einrichtung eines Lebens, in dem der Sieg selten nötig wird.
Frank Kralemann ist ein erfahrener Autor. Erstes Buch von 2007. Er hat schon viele Bücher geschrieben. Frank Kralemann ist im Rentenalter. Er ist Vater und Großvater. Er lebt am nördlichen Teutoburger Wald.
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