Ausgewählte Novellen des gefeierten Nobelpreisträgers
Zum Text »Es ist nichts Alltägliches in dem Buch, es enthält Dichtungen von überaus apartem Reiz, die uns so oft überraschen, da sie zu so unvermuteten Ausgängen geführt werden, ohne daß diese willkürlich wären. Hamsun versteht es wunderbar, mit wenigen Worten große Perspektiven zur eröffnen, er versteht es, den Leser zwischen den Zeilen finden zu lassen, und gibt ihm mehr zu ahnen, als er enthüllt.« [Literarisches Echo, Berlin, 1922] »Hamsun schildert alles mit tiefem Seherblick, seine Menschen sprechen lautere Wahrheit und bezahlen diese Wahrheit, die sie in der Natur schauen dürfen, mit seelischer Qual. Auch in dem neuen, auf großer dichterischer Höhe stehenden Novellenbande tritt Hamsun dem Leser wieder in der Gestalt eines Sonderlings entgegen, zumal in seiner Königin von Saba.« [Hamburger Fremdenblatt, 1922]
Der Text des Neusatzes folgt drei verschiedenen Ausgaben: »Die Königin von Saba - und andere Novellen« von 1899; »Sklaven der Liebe - und andere Novellen« 1922; sowie »Die Stimme des Lebens« 1906, alle erschienen im Albert Langen Verlag, München. Die originale alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Knut Hamsun (1859-1952) war einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts und Hauptvertreter der modernen Literatur vom Übergang der Spätromantik und dem Naturalismus zur Klassischen Moderne. Der Sohn eines Dorfschneiders wuchs bei seinem Onkel auf und erfuhr dort eine bibelnahe, religiöse Bildung. Lebenspraktische Kenntnisse erwarb sich der Autodidakt bei unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten, auf weiten Wanderungen durch Norwegen und später während längeren Aufenthalten in den Vereinigten Staaten von Amerika. 1890 erschien sein Roman »Hunger«, der ihn als Vertreter der Moderne in Norwegen bekannt machen sollte. 1892 wurde mit »Mysterien« der zweite große Roman des Autors veröffentlicht. Es folgten populäre Romane wie »Pan« und »Victoria«. 1920 erhielt er den Literaturnobelpreis für sein Werk »Segen der Erde«. Hamsuns Ruhm als Schriftsteller wird überschattet von seinem aktiven Eintreten für den Nationalsozialismus. Hamsun war ein großer Bewunderer Deutschlands und ein entschiedener Gegner des britischen Imperialismus und des Kommunismus. Entscheidend für Hamsuns antibritische Einstellung war das britische Vorgehen im Burenkrieg. Schon im Ersten Weltkrieg war er für die deutsche Position öffentlich eingetreten. Deutschland symbolisierte für Hamsun das »junge Europa«. Er blieb ein Freund Deutschlands bis zu seinem Tode. Zu seinen Verehrern gehörten Thomas Mann, Hermann Hesse, Robert Musil, Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Stefan Zweig, Martin Buber, Arnold Schönberg und Alfred Einstein. Sie alle schrieben Beiträge zu der Festschrift, die zu Hamsuns 70. Geburtstag in Deutschland erschien.
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