Zwischen 1949 und 1961 flüchteten Hunderttausende aus der DDR über das Berliner Notaufnahmelager Marienfelde in die Bundesrepublik. Diese ab Juli 1961 sprunghaft ansteigende Fluchtbewegung endete erst mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961.
Mein Vater, der Protagonist des dokumentarischen Romans "Mitgenommene Erinnerungen" war einer von diesen vielen. Er musste mit seiner Frau und seinen beiden Kindern aus politischen Gründen seine brandenburgische Heimatstadt Storkow/Mark verlassen. Bis auf eine Aktentasche, in der die wichtigsten Papiere waren, blieb der gesamt Hausrat zurück. Dieser wurde später auf einer Art Versteigerung verkauft, der Erlös floss in die Staatskasse der DDR. Die Flucht meines Vaters im März 1960 erregte kein Aufsehen, sie war unspektakulär.
Erzählt werden die Erlebnisse dieser Flucht, die darauffolgenden Wochen im Notaufnahmelager Marienfelde, später im saarländischen Landesdurchgangslager Homburg und seine verzweifelten Versuche um Anerkennung seiner Berufsausbildung - für den Verlauf großer Weltgeschichte gleichfalls unbedeutend. In dieser Zeit, in der er sich um eine Anrechnung seiner Berufsjahre bemüht, erhält er Besuch von Franz Kafka, mit dem er auf Grund gemeinsam gemachter Erfahrungen mit Behörden Freundschaft schließt.
Diesen Erlebnissen vorangestellt sind seine Geburt, Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft und der Beginn seiner Beziehung zu seiner späteren Frau. Der Roman endet mit Kapiteln über seinen letzten Klinikaufenthalt, über seine Leidenschaft zu lesen und, nachdem er gestorben ist, über den Inhalt seiner Brieftasche - auch wieder Ereignisse, die kein Aufsehen erregen.
Für die Ausgestaltung wurde eine Vielzahl von Originalbriefen und erhalten gebliebener Dokumente herangezogen. Kernidee des Romans ist zu zeigen, wie ein Mensch in seinem Alltag auf Grund politischer Ereignisse zwischen Hoffnung und Resignation hin- und hergerissen wird und trotzdem versucht aufrecht zu bleiben.
wurde 1954 in Storkow/Mark geboren. Nach der Flucht seiner Eltern im März 1960 lebte er bis 1982 in Saarbrücken. Dort besuchte er das Gymnasium und studierte an der Universität des Saarlandes sowie an der Pädagogischen Hochschule in Saarbrücken. Von 1982 - 2016 arbeitete er als Realschullehrer in Niedersachsen. Nebenher war er freier Mitarbeiter einer Tageszeitung und für zwei Kleinverlage tätig. Beiträge von ihm wurden in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, Einzelpublikationen sind u.a. "Des Nachteils Vorteil ist der Nachteil. Ein Führer durch die Welt der Nachteilsausgleiche". 2023 zog er nach Bad Saarow und arbeitet dort an verschiedenen Projekten.
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