milch und gräuelzahn
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milch und gräuelzahn

ein jahrmarkt dentaler gedichte

Severin Perrig

Band 8: edition mss. reprobatorum

Klassiker & Lyrik

Paperback

118 Seiten

ISBN-13: 9783695751310

Verlag: BoD - Books on Demand

Erscheinungsdatum: 26.03.2026

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Zahn, Gebiss, Zahnheilkunde, Chicago, Jahreszeiten

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Schmerzlich aufwühlend und gleichzeitig amüsant erzählt das eigene und fremde Gebiss von traurigen, aber auch tröstlichen Geschichten zwischen Leben und Tod.
Derart spannt die Gedichtsammlung "milch und gräuelzahn" den lyrischen Bogen von den ersten Milchzähnen bis zum allerletzten, absterbenden Weisheitszahn im Alter.
Und wie viele Sorgen bereiten bis zuletzt korrigierte, kaputte und künstliche Zähne zwischen einschüchterndem Glas und Metall der Zahnarztpraxen und dem beruhigenden Herumblättern in bunten Heftchen im mütterlich seifigen Desinfektionsmitteldunst ihrer Wartezimmer.
Auch wenn das Zahnweh laut Paul Valéry (1871-1945) für Momente "das Universum zum Verschwinden bringt", als lyrisches Thema bleibt es doch weit hinter den Schmerzen der Schinderei eines Marsyas zurück. Dabei hat Ernst Jandl (1925-2000) schon in den 1960er Jahren ironisch verspielt, geradezu in der Tradition der komisch absurden Nonsens-Sonette des Florentiner Barbiers Domenico di Giovanni genannt Burchiello (1404-49), mit dem ersten seiner "kuren"-Lautgedichte das alles erschütternde Bohren beim Zahnarzt poetisiert, ganz im Sinne des heutigen Spoken Word. Und in den 1990er Jahren knüpfte er mit dem Zahnarzt-Gedicht "AIDS" an die satirische Epigrammatik eines Martial (40-ca. 104), darin durchaus vergleichbar mit einzelnen Gedichten von Christoph Meckel (1935-2020) im Lyrikband "Zähne". Aber auch das Gedicht der "Schreckliche Zahnarzt" vom früh verstorbenen Jwani Mwaikusa (1952-2010) aus Tansania zeigt, wie schnell man von der Zahnheilkunde selbst in der düstersten Politik landen kann oder im absurdesten Aberglauben, wie bei Carl Sandburg (1878-1967), dem großen Dichter Chicagos, in seinem Langgedicht "The People, Yes" von 1936.
Severin Perrig

Severin Perrig

Severin Perrig, geboren 1961 in Hamburg, studierte Germanistik, Geschichte und Ethnologie in Marburg a.d.L. und Zürich, wo er 1992 promovierte. Er arbeitete als Dozent, Kulturjournalist, Theaterschaffender, Moderator, Lektor und Publizist. Er übersetzte Familienbriefe der österreichischen Kaiserin Maria Theresia aus dem Französischen und "The Anatomy of Bibliomania" (1932) des englischen Kulturjournalisten Holbrook Jackson in vier Teilen ins Deutsche. Längere Arbeitsaufenthalte führten ihn nach Frankfurt a.M., Wien, Ostrava, Leipzig und New York. Er war Stipendiat in Berlin, Elba, London, Chicago und Aarau. Er lebt und arbeitet als Autor in Luzern.

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