In fragmentarischen Szenen folgt der Text einem Mann, der sich zunehmend verliert: im Alkohol, in Begegnungen, in Erinnerungen, im eigenen Körper. Beziehungen beginnen, kippen, zerfallen. Nähe wird gesucht, verfehlt, manchmal fast erreicht - und wieder aufgegeben. Was bleibt, ist ein stetig wachsender Druck, ein Gewicht, das sich nicht mehr ablegen lässt.
Die Erzählung verzichtet bewusst auf lineare Entwicklung. Stattdessen entstehen Splitter eines Daseins: Biergärten, Züge, Kirchenräume, Hotelzimmer, fremde Körper, vertraute Rituale. Immer wieder tauchen Motive von Schuld, Beichte und Versagen auf. Die religiöse Sprache bietet keine Erlösung mehr, sondern wird zum Echo eines verlorenen Zusammenhangs.
Der Körper führt weiter, auch wenn das Ich sich entzieht. Wahrnehmung verschiebt sich, Grenzen lösen sich auf. Am Ende bleibt kein klares Urteil, keine Katharsis - nur die Frage, die sich durch alles zieht:
"Mensch, wo ist dein Bruder"
Ein literarisch verdichteter Text zwischen Prosa und Lyrik, der weniger erzählt als zeigt - in Bildern, Schnitten und Wiederholungen. Roh, reduziert und nah am inneren Zerfall.
Hieronymus lebte sechzehn Jahre im Ausland, in Russland, Libyen und Ungarn. Heute lebt und schreibt er in Deutschland. Seine Texte kreisen um Menschen am Rand, um Absturz, Rausch, Schuld und die Frage, was bleibt, wenn Halt und Ordnung zerfallen.
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