Das Aufwachsen im Köln der Nachkriegszeit war für Kinder dieser Generation gleichermaßen von Herausforderungen und prägenden Erfahrungen bestimmt. Bombentrichter und zerstörte Häuserzeilen gehörten zu den sichtbarsten Spuren des Krieges. Hinzu kamen zahlreiche kriegsversehrte Menschen, die sich mit Gehhilfen durch die Straßen bewegten, mit fahlen Gesichtern und in einfacher Kleidung - Eindrücke, die auch Kindern nicht verborgen blieben.
Auch die Autorin wuchs in einer Familie auf, in der ein Mensch schwer vom Krieg gezeichnet war: ihr Vater. Er wurde im letzten Kriegsjahr im Kessel von Stalingrad durch einen Schuss erblindet und überlebte, weil seine Einschusswunde in jenem eisigen Winter zufror und er mit einem der letzten Flugzeuge aus Stalingrad ausgeflogen werden konnte.
Das Buch erzählt jedoch nicht die Geschichte eines "armen, blinden Vaters", der als "Versehrter" von der Mildtätigkeit seiner Mitmenschen lebt. Es erzählt ebenso wenig die Geschichte eines kleinen Mädchens, dessen Lebensweg durch die Blindheit des Vaters festgelegt ist.
Vielmehr lassen die Erinnerungen Momente einer Kindheit wieder aufleben, in denen die starke Persönlichkeit eines blinden Vaters sichtbar wird, der sich mit Kraft, Intelligenz und Witz ins Leben zurückkämpft und seiner Tochter Mut und Selbstbewusstsein vermittelt. Dadurch wird auch ihr ermöglicht, der Welt mit Neugier und Tatendrang zu begegnen.
Die Geschichten sind aus der Perspektive des Kindes erzählt, das seine Gedanken über die Welt, seinen Kummer und auch viele komische Ereignisse mitteilt - und dabei mitunter eine ungewollte Komik entstehen lässt.
Gabriele Pommerin-Götze wurde 1948 in Chemnitz geboren. Nach der Flucht mit ihren Eltern wuchs sie in den ersten Jahren ihrer Kindheit und Jugend in Köln und Bonn auf.
Sie absolvierte ein Lehrerstudium und sammelte Berufserfahrung an Schulen mit wachsendem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. 1976 promovierte sie an der Bergischen Universität Wuppertal in den Fächern Germanistik, Pädagogik und Soziologie zum Themenfeld interkulturelle Bildungsarbeit sowie Deutsch als Fremdsprache und Zweitsprache.
Es folgten Professuren an den Universitäten Wuppertal, Hamburg, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg. 1996 hatte sie eine Gastprofessur an der Universidad Metropolitana in Santiago de Chile inne. Darüber hinaus arbeitete sie mit der Aristoteles-Universität Thessaloniki sowie mit Goethe-Instituten in Ländern Mittel- und Lateinamerikas zusammen.
Sie betreute zahlreiche Promotions- und Habilitationsvorhaben. Zu den Schwerpunkten ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit sowie ihrer zahlreichen Publikationen im In- und Ausland zählen: Kreatives und literarisches Schreiben im Medium verschiedener Sprachen, funktionale und kommunikative Grammatik, Textanalyse, Kinder- und Jugendliteratur sowie interkulturelle Bildungsarbeit unter den Bedingungen von Migration.
Gabriele Pommerin-Götze ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und weiterer Kulturinstitutionen.
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