"Du bist zu nett." Millionen Männer haben diesen Satz gehört, kurz bevor eine Tür leise ins Schloss fiel. Fast jeder hat ihn falsch übersetzt. Er hat gehört: Ich war zu gut für sie. Gemeint war etwas anderes: Ich habe bei dir keinen Menschen gespürt. Nur eine Strategie.
Salih Daglar schrieb 2003 einen Song über Menschen, die zu Maschinen werden, und über Liebe, die zur Rechnung wird. Es gab noch kein Tinder, kein Instagram, kein OnlyFans. Zwanzig Jahre später ist daraus Alltag geworden.
Dieses Buch erzählt eine Figur in drei Stufen: den Hunger, die Berechnung, die Leere. Es handelt von Frauen, die alles bekommen können und nichts mehr fühlen, von Männern, die alles richtig machen und trotzdem verlieren, und von einer Maschine, die uns beigebracht hat, Menschen zu behandeln wie Dateien: prüfen, bewerten, wegwischen.
Und es benennt die Zahl, über die niemand streitet, weil niemand sie zählt. Über den Body Count redet das halbe Internet. Der Bewertungscount zählt etwas anderes: wie oft ein Mensch einen anderen angesehen und in derselben Sekunde entschieden hat, ob er reicht. Zwei Minuten am Abend, drei Jahre lang, ergeben zwölftausend Menschen. Das ist der vorsichtigste Fall.
Der Verstand kommt damit zurecht. Das Gefühl nicht.
Ein Buch für alle, die sich fragen, warum sie nichts mehr spüren. Und für die, die neben so einem Menschen sitzen.
Salih Daglar arbeitet seit über zwei Jahrzehnten an den Mechaniken hinter den Bildschirmen: Suchmaschinen-Optimierung, Automatisierung, Web-Architektur, das Bauen von Abläufen, die Menschen lenken, ohne dass sie es merken. Also genau an den Algorithmen, die dieses Buch die Maschine nennt. Er schreibt nicht als Beobachter über sie, sondern als jemand, der sie selbst baut.
Parallel dazu lebt er seit über fünfundzwanzig Jahren als Künstler. Unter dem Namen Artbeatfeastverse verbindet er Musik, bildende Kunst und Literatur. Seit 2003 zeichnet er in seinen Alben eine Figur in drei Stufen: die Männerfresserin, die Manipulative Love Machine und VDØVA. Buch und Alben sind zwei Hälften desselben Werks.
Er schreibt und veröffentlicht seine Bücher selbst, von der ersten Idee bis zum Druck. Er lebt in Berlin.
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