Die Welt kann zuweilen ein grausiger Ort sein. Wir Menschen überziehen sie mit Krieg und Gewalt. Armeen, Milizen, Gangs durchstreifen die Lande auf Befehl von Herrschern und Diktatoren, die die Macht haben, das anzuordnen. Menschen werden gequält und getötet. Zuweilen findet sich die Grausamkeit unseres Miteinanders aber auch ganz in unserer Nähe. An Orten, von denen man es nicht unbedingt erwartet hätte. Insbesondere in Organisationen mit straffer Machthierarchie, wie die Missbrauchsfälle in den Kirchen zeigen. Warum kommt es in einer Institution, deren Begründer Nächstenliebe predigte, zu derartigen Verbrechen? Weshalb stürzt sich die Menschheit wieder und wieder in den Strudel von Krieg und Gewalt? Wieso gehen menschliche Gesellschaften und Organisationen so häufig mit Missbrauch und Ausbeutung einher? Macht spielt eine zentrale Rolle bei der Beantwortung dieser Fragen. Dieses Buch erklärt mithilfe der psychologischen Forschungserkenntnisse zum Thema Macht, warum menschliche Organisationen immer wieder in die Irre gehen. Es beantwortet dabei drei wesentliche Fragen: Wer gelangt überhaupt in Machtpositionen und was hilft dabei? Wie verhalten und verändern sich Menschen in Machtpositionen? Was bringt Menschen in solchen Positionen dazu, andere zu missbrauchen? Um all das erklären und verstehen zu können, müssen wir uns ansehen, wie Menschen in Machtverhältnissen miteinander umgehen und wie sie einander zu dominieren suchen. Wir müssen untersuchen, wie menschliche Gruppen funktionieren, wie Prestige und Status, Dominanz und Unterwerfung, Kooperation und Wettbewerb im täglichen Miteinander zusammenspielen. Zentrale These dieses Buches ist, dass es menschlichen Gesellschaften noch nicht gelingt, diejenigen von der Macht fernzuhalten, die dort mehr Schaden als Nutzen anrichten und Organisationen so zu gestalten, dass dieser Schaden zumindest begrenzt werden kann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Menschen noch immer stereotype Vorstellungen von Führung haben. Noch immer fordern wir starke Führung ein und die Menschheit bekommt weiterhin, wonach sie ruft. Menschen, die diese starke Führung repräsentieren, sind oft narzisstisch, egozentrisch und manipulativ. Insbesondere sind sie gut darin vorzutäuschen, dass sie zum Führen befähigt seien und im Interesse der Gruppe handelten. Vielen von ihnen ist jedes Mittel Recht, um an die Macht zu gelangen und jede Maßnahme, um an der Macht zu bleiben, vor allem und gerade dann, wenn diese Macht bedroht ist.
Nach wissenschaftlichen Stationen in Trier und Jena ist Johannes S. Hewig (geb. 1974) seit 2010 Professor für Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und leitet dort seit 2024 den Lehrstuhl für Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik. Im Jahr 2010 erhielt er ein Schumpeter-Fellowship der Volkswagenstiftung, von 2019 bis 2023 war er Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Würzburg und von 2022 bis 2023 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendungen. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zum Entscheidungsverhalten von Menschen und den Persönlichkeitseigenschaften, die diese Entscheidungen beeinflussen. Unter anderem erforscht er die Persönlichkeitseigenschaften Gier und Altruismus mithilfe von ökonomischen Entscheidungs- und Verteilungsspielen.
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