Dieser Band steht in der Schalom-Bibliothek dem Stefan-Zweig-Lesebuch "Bekenntnisse zum Pazifismus" zur Seite. Er enthält folgende Texte des Dichters: Jeremias - eine dramatische Dichtung in neun Bildern (1917), Polyphem (Gedicht 1917), Der begrabene Leuchter (Legende 1937), Eine Ansprache (Hilfsverein deutschsprechender Juden Buenos Aires, 1936). Zu den Beigaben der Sammlung gehören Romain Rollands Rezension des Dramas Jeremias (1918), Gedanken von Leonhard Ragaz zum Untergang Judas sechs Jahrhunderte v. Chr. (1942/43) sowie eine Chronologie zur Geschichte Israels in biblischer Zeit. - Im Februar 1917 schreibt Zweig dem französischen Freund Romain Rolland, das Drama über den biblischen Stoff sei ein "Werk, das alles aussagt, was ich innen vom ersten Tage des Krieges fühlte". Das Stück wird ein unerwarteter Erfolg: "Als zu Ostern 1917 meine Tragödie 'Jeremias' in Buchform erschien, erlebte ich eine Überraschung . . . Von dem Buche wurden zwanzigtausend Exemplare sofort verkauft, eine für ein Buchdrama phantastische Zahl" (Die Welt von gestern, 1939-1941). -
"Besser den Zins des Goldes zahlen dem Feinde, denn den Zins des Blutes dem Kriege! . . . Abtut Gottes Namen vom Kriege, denn nicht Gott führet Krieg, sondern die Menschen! Heilig ist kein Krieg, heilig ist kein Tod, heilig ist nur das Leben! . . . Selig, der als erster die Hand bietet für den Frieden, selig der König, der das Blut spart seines Volkes . . . Besser, der Narren Gelächter hinter dir, als der Witwen Klage" (aus: Jeremias, 1917).
edition pace. Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 19. Herausgegeben von Peter Bürger.
Stefan Zweig (1881-1942), als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien geboren, war ein österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und Pazifist. Er gehörte zu den beliebtesten deutschsprachigen Erzählern seiner Zeit. Neben den eigenen Dichtungen legte er Übersetzungen von Werken bedeutender Schriftsteller wie Baudelaire oder Romain Rolland vor. Zu Beginn des ersten Weltkrieges meldet sich Zweig zunächst freiwillig zum Militärdienst, um dann im staatlichen "Kriegsarchiv" (Propagandaeinrichtung) tätig zu sein. Vor allem auch durch die Freundschaft mit dem Franzosen Romain Rolland findet er zu einem entschiedenen Friedensstandort, der sich in zahlreichen Dichtungen, Aufsätzen und Vorträgen niederschlägt. Am 28. November 1917 schreibt Zweig sein "Testament des Gewissens" nieder: ". . . Waffen zu tragen und von ihnen Gebrauch zu machen. Ich halte im Sinne Tolstois und noch dringender in dem meiner eigenen Erkenntnis dies als das schwerste Verbrechen wider den Geist der Menschlichkeit, das wir begehen können und betrachte es als eine moralische Pflicht, den Mord zu verweigern." Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten werden 1933 in vielen deutschen Städten auch die Werke Zweigs öffentlich verbrannt; ein Gleiches wiederholt sich dann am 30. April 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz. (Juden und Pazifisten stehen im Faschismus ganz oben auf der Liste der "Verbotenen Autoren"). Die letzten acht Jahre seines Lebens hat der Dichter im Exil verbracht (England, USA, Südamerika, zuletzt Brasilien). In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 scheidet er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte geb. Altmann (geb. 1908) in Petrópolis (Brasilien) "freiwillig" aus dem Leben. Bis zum Ende hat der Dichter sein Bekenntnis zum Pazifismus nicht widerrufen. Das haben ihm - bis heute - viele verübelt. Mit hoher Achtung für den Freund teilt hingegen Franz Werfel, der selbst einen abweichenden Standort einnimmt, in seiner Rede zur Trauerfeier 1942 mit: "Ja, Stefan Zweig war ein Mann ohne Zorn. Darum war er auch einer der ganz wenigen echten Pazifisten, die es gibt. Für ihn bedeutete der Krieg die irdische Hölle, an die man nur mit Heulen und Zähneklappern denkt."
Peter Bürger (geb. 1961 im Sauerland): Theologe (Studienorte Bonn, Paderborn, Tübingen) & Krankenpflege-Examen 1992 (langjährige Berufstätigkeit in der psycho-sozialen Begleitung); seit 2003 freier Publizist. 2016 Teilnehmer der Internationalen Konferenz "Nonviolence and Just Peace" (Rom). - Bearbeiter der Reihe "Kirche und Weltkrieg" (https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/) sowie der von ihm konzipierten Editionsprojekte "Tolstoi-Friedensbibliothek" (www.tolstoi-friedensbibliothek.de) und "Schalom-Bibliothek: Pazifisten & Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien" (www.schalom-bibliothek.org). - Bertha von Suttner-Preis 2006 für die Studien zu Krieg und Massenkultur (u.a. "Napalm am Morgen" 2004, "Kino der Angst" 2005 / 2007, "Bildermaschine für den Krieg" 2007); Rottendorf-Preis 2016 für die Erforschung und Vermittlung niederdeutscher Literatur. - Mitgliedschaften: Solidarische Kirche im Rheinland; Internationaler Versöhnungsbund (deutsche Sektion); Internationale katholische Friedensbewegung pax christi (ab 1980, als Kriegsdienstverweigerer); DFG-VK; VVN-Bund der Antifaschisten; Ökumenisches Institut für Friedenstheologie; IPPNW. - Als Herausgeber hat er zuletzt vorgelegt: Leo N. Tolstoi. Begegnung mit dem Judentum. Briefe und andere Zeugnisse des Dichters, nebst Darstellungen von jüdischen Zeitgenossen (Tolstoi-Friedensbibliothek 2025); "Gott für uns alle". Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden, Band II (zus. m. Hans Jürgen Rade, 2025); Gustav Landauer: Abschaffung des Kriegs durch Selbstbestimmung. Ausgewählte Texte 1895-1919 (zus. m. Jan Rolletschek); "Sei von den Schülern Aarons". Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner (2026); Umdenkschrift I/II/III zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden (3 Bde., 2026); "Gewalt und Kriegstheologie in der Hebräischen Bibel". Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek (2026); "Friedensbotschaften der Hebräischen Bibel - Erster Band" (2026).
Es sind momentan noch keine Pressestimmen vorhanden.