Die Hypothese Ivan Illichs, dass um die 1970er Jahre das Ende einer Epoche von langer Dauer (longue durée) eingeläutet wird, ist bisher noch kaum aufgenommen worden. Laut Illich geht das "instrumentelle Zeitalter", das Zeitalter der Werkzeuge, das er etwa im 12. Jh. ansetzt und das durch die Vorstellung geprägt war, dass es zu jedem Zweck ein Mittel gibt, das man einsetzen oder auch liegen lassen kann, in ein neues "systemisches Zeitalter" über. Vieles, was heute immer noch unter dem Sammelbegriff "Technologie" subsumiert wird, hat nichts mehr mit dem gemeinsam, was vor wenigen Jahren als "Technologie" bezeichnet wurde. Diese Sprachlosigkeit für einen tiefgreifenden historischen Umbruch trägt zu den Schwierigkeiten bei, sich in der Jetztzeit zu orientieren. Jean Robert, ein Freund und intellektueller Weggefährte Ivan Illichs, ist bisher der erste, der sich dezidiert dieser These Illichs widmet. In seinem Buch über das Ende des instrumentellen Zeitalters zeigt er auf, wie Illich zu seiner Entdeckung kam und entlang welcher Themen er versucht hatte, diesen historischen Umbruch begreiflich zu machen.
Jean Robert wurde 1937 in der Schweiz geboren. Er hat an der ETH Zürich Architektur studiert und anschließend in Neuchâtel und Amsterdam als Architekt gearbeitet. Dort fand er großes Interesse an zivilgesellschaftlichen Projekten, die versuchten, Städte von auto- in menschenfreundliche Orte zu verwandeln. In den 1970er Jahren ging Jean Robert nach Mexiko, wo er Ivan Illich begegnete. Seit dieser Zeit arbeitete er eng mit Ivan Illich zusammen und beforschte Themen wie den Kontrast zwischen Ort und Raum, die Entstehungsgeschichte des Konzepts der Energie oder auch die Bedrohung der Autonomie durch Entwicklungsversprechen. Jean Robert ist am 1. Oktober 2020 gestorben.
Auswahl von Texten von Jean Robert: La trahison de l'opulence, PUF, Paris 1976 (mit Jean-Pierre Dupuy) La Puissance des pauvres, Actes Sud, Paris 2008 (mit Majid Rahnema)
Kirsten Vogeler-Duden (Hrsg.)
Kirsten Vogeler-Duden ist mit Jean Robert befreundet. Bevor Jean Robert starb, bat er sie darum, die deutsche Ausgabe seines Buches, in der Übersetzung von Franz Tutzer, zu publizieren.
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