Finn Löwen, neunzehn, probt am Theater seinen ersten großen Part - ausgerechnet den Hamlet, den Sohn, der einen Mord rächen soll. Kurz vor der Premiere kehrt sein Vater aus dem Gefängnis zurück: zehn Jahre für den Totschlag an Finns Mutter, so das Urteil. Seine Brüder haben lange genug gewartet - sie wollen das Rachedrama nicht länger spielen, sondern leben. Doch je tiefer Finn in jene schicksalhafte Nacht eintaucht, desto weniger bleibt von der Geschichte, auf die er sein halbes Leben gebaut hat.
Tom de Maer wurde am Bodensee geboren und lebt heute wieder dort. Er studierte Theater- und Filmwissenschaften, Neuere Deutsche Literatur und Philosophie in München und Berlin und absolvierte eine Drehbuchausbildung; hauptberuflich arbeitet er als Integrationscoach. Seine Bücher bewegen sich zwischen hartem Kriminalroman und literarischem Familiendrama - mit Figuren, die meist mehr mit sich selbst ringen als mit dem, was ihnen von außen zustößt. 2026 erschien sein Krimi "Windfähnchenland" in überarbeiteter Neuausgabe. Dessen eigenwilliger Ermittler, Hauptkommissar Zink, kehrt in "Hamlet und seine Brüder" wieder - einer Neuerzählung von Shakespeares Rachedrama als Familiengeschichte am Bodensee. Zuvor erschienen Gedichte von ihm in der "Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte", eines davon als Preisträgergedicht. Am liebsten schreibt de Maer über Menschen an ihren Bruchstellen - und über die Frage, ob man von dort noch einmal ins Leben zurückfindet.
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