Wir stehen auf, setzen ein Gesicht auf und reihen uns ein in den Zug der Kostüme, der Ämter, der Meinungen - das Fest ist unser Leben. Doch worauf steht das Fest?
Grundblindheit ist eine Ontologie für die Gegenwart: eine philosophische Erkundung des Grundes, auf dem wir stehen - und den wir gerade deshalb nicht sehen. Richard Hörner entfaltet ein eigenständiges Denkgebäude von bildhafter Klarheit: Der Mensch als Lebenskapsel, gewölbt aus dem Grund wie eine Seifenblase; das Innere als Werkstatt, die niemals schließt; die Bilder, die wir einander einpflanzen, bis lauter gelieferte Wirklichkeiten sich für die Welt ausgeben - der inflationäre Realismus unserer Zeit. Von dort fällt ein neues Licht auf das, woran die Gegenwart leidet: auf Familie und Bildung, auf Manipulation und Politik, auf den Krieg und den Streit ums Leben.
Dabei schreibt Hörner keine akademische Abhandlung, sondern denkt in Szenen: ein Karneval, ein Aschermittwoch, fünf Menschen in der schlaflosen Nacht. Über fünfzig eigens geschaffene Illustrationen begleiten den Text und geben den Begriffen Gestalt. Und am Ende steht ein Trost eigener Art, der nichts verspricht und nichts beschönigt: Der Tod verliert sein Fremdes - wir kehren in etwas zurück, das wir immer gesehen haben.
Für Leserinnen und Leser, die Philosophie als Erfahrung suchen, nicht als Fachsprache - und die wissen wollen, was trägt, wenn die Musik einmal aussetzt.
Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert - vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag u. a. Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele und Imaginäre Menschenrechte.
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