Der historische Roman Florencourt, der Tausendsassa. Ein Roman aus Deutschlands tiefer Nacht von Dr. Frank Grobe erzählt die bewegte Lebensgeschichte des Franz von Florencourt, der im frühen 19. Jahrhundert in eine Zeit politischer Umbrüche, nationaler Sehnsucht und geistiger Radikalisierung hineingeboren wird.
Ausgehend von einer Rahmenhandlung im Jahr 1876, in der der gealterte Florencourt zufällig auf Fürst Otto von Bismarck trifft und von diesem zu einem Gespräch eingeladen wird, entfaltet sich rückblickend das Leben eines leidenschaftlichen, widersprüchlichen und hochpolitischen Mannes.
Florencourt wächst zwischen französisch-normannischer Herkunft, protestantischer Erziehung und innerer religiöser Zerrissenheit auf. Früh begeistern ihn die Freiheitskriege gegen Napoleon, die Ideen der deutschen Nationalbewegung und die Farben Schwarz-Rot-Gold. Begeistert von den Idealen der frühen Burschenschaft gerät er zunehmend in oppositionelle Kreise, erlebt die Folgen der Karlsbader Beschlüsse, die Verfolgung der sogenannten Demagogen und die politische Unterdrückung der Restaurationszeit.
Der Roman schildert zugleich Florencourts persönliche Entwicklung: seine Ausschweifungen, seine inneren Kämpfe zwischen Leidenschaft und Moral, seine studentischen Freundschaften sowie seine zunehmende politische Radikalisierung. Besonders prägend wirken Begegnungen mit idealistischen Burschenschaftern, Dichtern und Freiheitskämpfern, deren Vision eines geeinten Deutschlands ihn zeitlebens antreibt.
So entsteht das Porträt eines Tausendsassa, eines Mannes voller Widersprüche, überschäumender Lebenslust, politischer Leidenschaft und geistiger Wandlungen, eingebettet in die dramatischen Jahrzehnte zwischen den Befreiungskriegen, Vormärz, Revolution und Reichsgründung.
Der Roman zeigt zahlreiche politische, gesellschaftliche und geistige Konfliktlinien, die sich, in veränderter Form, auch in der heutigen Bundesrepublik Deutschland wiederfinden. Gerade darin liegt eine seiner stärksten Ebenen: Er ist nicht nur ein historischer Bildungs- und Entwicklungsroman, sondern zugleich ein Spiegel wiederkehrender deutscher Grundkonflikte.
Frank Grobe wurde 1967 in Dortmund geboren. Nach einer Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten arbeitete er mehrere Jahre in der öffentlichen Verwaltung, bevor er sein Abitur am Abendgymnasium nachholte und ein Studium der Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Politikwissenschaft an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und der University of York in Großbritannien begann, das er 1998 mit dem Magister Artium abschloss. In den Folgejahren war er für Medien tätig (u. a. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Telebörse) und arbeitete später in der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit großer Unternehmen (Allianz, Dresdner Bank, Commerzbank) vornehmlich als Redenschreiber. Parallel promovierte er zum Dr. phil. mit einer historisch orientierten Dissertation. Seine bisherigen Veröffentlichungen umfassen mehrere historisch-wissenschaftliche Monografien und Sammelbände, die sich insbesondere mit der Geschichte der deutschen Studentenbewegung und der Burschenschaften des 19. und 20. Jahrhunderts befassen. Seit 2019 ist er Mitglied des Hessischen Landtages.
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