Der Transplantationschirurg Elias Falk öffnet eine Spenderakte. Alle Stempel sitzen, alle Unterschriften stimmen. Nur an einer Zeile bleibt er hängen:
Alter: neun Jahre.
Als Falk nach ähnlichen Fällen sucht, findet er weitere Kinder. Vollständige Akten. Korrekte Abläufe. Und Spuren, die immer erst dort beginnen, wo ihre Herkunft längst geklärt sein müsste.
Tausende Kilometer entfernt sucht die junge Amina in einem Heim in Westafrika Schutz für sich und ihr ungeborenes Kind. St. Loria House verspricht Sicherheit, Unterkunft und Hilfe. Doch hinter seinen Mauern werden Namen zu Nummern und Menschen zu Vorgängen.
Falk und Amina begegnen einander nie. Sie leben auf entgegengesetzten Seiten eines Systems, dessen Abläufe nach außen funktionieren. Während Falk zunehmend an der Herkunft einzelner Spender zweifelt, versucht Amina, etwas zu bewahren, das in keiner Akte vorgesehen ist: einen Namen.
Entnahme - Die fünfte Zeile ist ein literarischer Spannungsroman über Transplantationsmedizin, Herkunft, Verantwortung und die Mechanik des Wegsehens. Die Bedrohung liegt dabei nicht im einzelnen Täter, sondern in einem System, in dem jeder nur seinen Teil erledigt - operiert, prüft, weiterleitet, bestätigt.
Wo endet Zuständigkeit - und wo beginnt Mitverantwortung?
Illegaler Organhandel ist dokumentiert. Verlässliche weltweite Zahlen gibt es nicht. Figuren, Einrichtungen und konkrete Abläufe dieses Romans sind Fiktion.
Real ist die Frage, wie Verantwortung verschwinden kann, wenn sie auf Zuständigkeiten verteilt wird.
Benjamin-Lucas Schmidt schreibt Romane über die Grauzonen von Medizin, Gesellschaft und Ethik. Ihn interessieren weniger einzelne Täter als die Systeme, in denen Verantwortung so lange weitergereicht wird, bis sie am Ende niemand mehr trägt.
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