Kaum jemand greift zur Schokolade in Form von Hundekot - auch wenn sie chemisch identisch ist mit der Tafel. Kaum jemand würde den Pullover eines Mörders anziehen. Wir halten uns für aufgeklärt und denken in einer tieferen Schicht weiter magisch.
1917 diagnostizierte Max Weber die Entzauberung der Welt: den Glauben, man könne alle Dinge im Prinzip durch Berechnen beherrschen. Dieses Buch zeigt, dass die Diagnose zutrifft - und dass sie etwas anderes bedeutet, als ihr gewöhnlich unterstellt wird. Das mythische Denken ist nicht verschwunden. Es hat seinen Anspruch auf öffentliche Geltung verloren - und macht ihn neu geltend: in den Sekundärwelten der Popkultur und ihren digitalen Gemeinschaften, in der politischen Mythenerzählung - und in den Antworten einer künstlichen Intelligenz, deren Trainingsdaten selbst phantastisch mitkonturiert sind.
Vier Positionen führen den Nachweis: Claude Lévi-Strauss' wildes Denken, die Kognitionswissenschaft des magischen Denkens, der Magische Realismus Gabriel García Márquez' und J. R. R. Tolkiens Mittelerde. Sie verbindet ein Projekt, das älter ist als sie alle - die romantische Forderung nach einer "Mythologie der Vernunft". Und sie zeigen, dass Verzauberung kein Rückfall hinter die Vernunft ist, sondern eine ihrer Formen: eine Weltbeziehung, die Hartmut Rosa Resonanz nennt - und die, wie das Buch zuletzt fragt, auch eine Maschine nicht einfach herstellen kann.
Ein Buch über Bricolage und Verschwörungserzählungen, über Bilbos Geburtstagsgesellschaft und die Frage, ob eine Gilde ein Ritual ist.
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