Geborenwerden und Sterben, Fruchtbarkeit und Sterblichkeit stehen unter einander in so nahen Beziehungen, daß wir sie als verschiedene Momente einer und derselben Erscheinung betrachten können, als Wirkung und Gegenwirkung des Lebens. Sobald die Fortpflanzung über alles Maß hinauswächst, so wachsen gleichzeitig auch die Gefahren für die erzeugten Individuen, und die Vernichtung hält ihre Todesernte unter der überschießenden Zahl der Geborenen. Bald reicht die Nahrung nicht mehr für die Überzahl der Lebenden aus, bald wächst mit ihrem Überfluß auch die Schar ihrer Feinde und Parasiten, welche alsdann das Gleichgewicht wieder herstellen. Die zerstörenden und die erhaltenden Kräfte gleichen sich ebenso aus, wie dies ja bei vielen andern einfacheren und besser bekannten Kräften der Fall ist. [Textauszug]
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1877, erschienen im Verlag Neufeld & Henius, Berlin. Die alte deutsche Rechtschreibung wurde beibehalten.
Paolo Mantegazza (1831-1910), italienischer Neurologe und Physiologe und ein Pionier der Sexualforschung. Mantegazza studierte zuerst in Pisa und Mailand Medizin und schloss sein Studium 1854 in Pavia ab. Danach bereiste er Indien und Südamerika, wo er in Argentinien und in Paraguay als Arzt praktizierte. 1858 kam er nach Italien zurück und wirkte in Mailand als Chirurg. 1860 wurde er als Professor für Pathologie an die Universität zu Pavia berufen, wo er das erste Institut für allgemeine Pathologie in Europa gründete. 1870 wurde Mantegazza Professor der Anthropologie am Istituto di Studi Superiori in Florenz. Hier gründete er das Museo Antropologico-Etnografico di Firenze. Mantegazza wurde immer wieder von kirchlichen Kreisen angefeindet, insbesondere weil er ein Verfechter des Darwinismus und Atheist war. Von 1868 bis 1875 hatte er einen regen Briefwechsel mit Charles Darwin. Von 1865 bis 1876 war Mantegazza Deputierter von Monza in der italienischen Abgeordnetenkammer und ab 1876 Senator im Königreich Italien. Zu seiner Zeit herausragend waren seine vielfachen Publikationen auf dem erst später konstituierten Gebiet der Sexualwissenschaft.
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