Die Kunst, Unterschiede zu machen

Die Kunst, Unterschiede zu machen

Alexander Kluge

Reihe: Bibliothek der Lebenskunst

Romane & Erzählungen

Paperback

112 Seiten

ISBN-13: 9783518240878

Verlag: Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 03.02.2016

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Literatur, 21. Jahrhundert, Alexander Kluge, Ansichten, Bibliothek der Lebenskunst

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Meist ohne darüber nachzudenken, unterscheiden Menschen ständig: ob warm, ob kalt, ob sie einen andern riechen können, ob ihnen etwas paßt oder nicht. Die Unterschiede machen die Empfindungen von ganz allein, werden aber aus Erfahrungen gespeist, die in der Millionen Jahre alten Evolution des Menschen begründet sind. Das unaufhörlich tätige Unterscheidungsvermögen, das persönliche und gesellschaftliche Verhältnisse unter der Hand bestimmt, bezeichnet Alexander Kluge als seine Domäne. Er hält ein Plädoyer für die massenhafte Produktion von Unterscheidungsvermögen.
In seiner Eröffnungsbilanz des 21. Jahrhunderts, der Chronik der Gefühle, hat er mit der Inventur im Gefühlshaushalt begonnen. In diesem Buch nun erzählt er, woher sein Argwohn gegenüber dem Faktischen rührt, was ihn antreibt, Gefühle und Empfindungen aufzuspüren und als zerstörerische Geheimagenten zu enttarnen. Die Indizien sucht er in der Geschichte, in Geschichten, in Anekdoten, in den Wissenschaften. Detektivisch dem Unwahrscheinlichen auf der Spur, verwandelt er Fakten in Erzählung. Er rüstet die Übermacht des Faktischen ab und besteht auf der zivilisierenden Wirkung mündlicher Erzählung. So belebt er eine alte Kunst, die unterzugehen droht und die er auf besondere Weise beherrscht: die Kunst des Erzählens.
Dieses Buch ist Teil der Reihe Die Bibliothek der Lebenskunst.
Alexander Kluge

Alexander Kluge

Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, war Jurist, Autor, Filme- und Ausstellungsmacher; von sich selbst sagte Kluge jedoch: »Mein Hauptwerk sind meine Bücher.« Für sein Werk erhielt er viele Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis und den Theodor-W.-Adorno-Preis, Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf und 2019 den Klopstock-Preis der Stadt Halberstadt. Alexander Kluge verstarb am 25. März 2026 in München.


»Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine. Das liegt daran, daß Bücher Geduld haben und warten können, da das Wort die einzige Aufbewahrungsform menschlicher Erfahrung darstellt, die von der Zeit unabhängig ist und nicht in den Lebensläufen einzelner Menschen eingekerkert bleibt. Die Bücher sind ein großzügiges Medium und ich trauere noch heute, wenn ich daran denke, daß die Bibliothek in Alexandria verbrannte. Ich fühle in mir eine spontane Lust, die Bücher neu zu schreiben, die damals untergingen.«

Alexander Kluge (Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis, 1993)

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