Robert Reitmeier hat sich ein Leben gebaut, das auf Kontrolle beruht. In seinem Beruf formuliert er Risiken so, dass sie noch eine Weile tragbar wirken. In seiner Wohnung, in seinem Alltag, in seiner Sprache muss alles geordnet bleiben.
Dann zieht Jaqueline Hartmann in die Wohnung gegenüber.
Zunächst ist sie nur eine ruhige, aufmerksame Nachbarin. Hilfsbereit. Präzise. Unauffällig genug, dass man sich gegen sie kaum wehren kann. Doch je mehr sie sich im Haus einfügt, desto stärker gerät Roberts sorgfältig gebautes Gleichgewicht ins Rutschen. Kleine Hinweise tauchen auf. Alte Namen. Wiederkehrende Protokolle. Und schließlich die Erkenntnis, dass Jaqueline nicht zufällig dort wohnt.
Ihr Vater gehörte zu den Geschädigten eines Wohnprojekts, an dessen sprachlicher Glättung Robert vor Jahren mitgewirkt hat.
Was damals wie professionelle Einordnung aussah, war in Wahrheit längst Teil eines Schadens, der weit über Zahlen, Vermerke und Kostenstände hinausging. Während im Haus aus kleinen Hilfen langsam eine neue Ordnung entsteht, wiederholt sich in Roberts Gegenwart dasselbe Muster: Wieder geht es um Risiken, um Formulierungen und um die Versuchung, einen Satz so zu bauen, dass er noch eine Weile trägt.
Die falsche Richtung ist ein psychologisch dichter Spannungsroman über Sprache als Machtmittel, über Schuld ohne saubere Erlösung und über die leisen Mechanismen, mit denen Menschen Wirklichkeit verschieben.
Corvin Lardow schreibt psychologische Spannungsromane und düstere Gegenwartsstoffe über Systeme, die Menschen formen, verwalten und in die falsche Richtung lenken. Seine Geschichten bewegen sich an den Schnittstellen von Psychologie, urbanen Räumen, digitalen Oberflächen und sozialen Strukturen, dort, wo Kontrolle wie Vernunft aussieht und aus harmlosen Sätzen wirksame Gewalt werden kann. Im Zentrum seiner Romane stehen Schuld, Manipulation und die Frage, was sichtbar wird, wenn Ordnung kippt und die Strukturen darunter weiterwirken.
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