Was wäre, wenn die wichtigste Begegnung deines Lebens niemals endet, sondern nur ihre Gestalt verändert?
Und was wäre, wenn du sie auch selbst bist?
Ein leises, poetisches Buch, das körperlich denkt und den Lesenden auf eine innere Reise mitnimmt, in der Zeit nicht linear, sondern emotional fließt. Im Zentrum steht die Frage, wie Begegnungen geschehen, wie Menschen loslassen und einander erkennen, lange bevor sie sich verstehen.
Dieser queere Roman erzählt aus wechselnden Perspektiven von Freundschaft und Liebe und von Leben, die sich gegenseitig verändern. Im Mittelpunkt stehen Tjarven, Sofia und Astrid.
Tjarven ist der Raum dieser Geschichte. Ihre Ambivalenz ist greifbar: Einerseits intellektuell reflektiert, andererseits emotional durch ihre Vergangenheit gelähmt. Ihre Entwicklung von jugendlicher Unsichtbarkeit hin zum Wagnis einer neuen Liebe trägt die Handlung.
Sofia ist der Klang in diesem Raum. Impulsiv und liebevoll öffnet sie Tjarven für eine Freundschaft, aus der eine große Liebe entsteht - die beide überrascht und deren Nachhall auch später nicht verstummt.
Astrid steht für den Körper: physikalisch, emotional und in ihrer starken, sanften Gegenwart als Gegenpol zu Tjarven und Sofia. Ihre besondere Fähigkeit, Tjarvens Schmerz auszuhalten, ohne sich selbst darin zu verlieren, verleiht ihrer Nähe Tiefe und Kraft.
Philosophische Gespräche und filmische Bilder spiegeln sich in verschiedenen Erzählebenen, in denen physikalische Gedanken ebenso anklingen wie Sinnlichkeit. Vergangenheit und Gegenwart antworten darin einander, indem die Figuren im eigenen Erleben genau jenen Erfahrungen und Entscheidungen wiederbegegnen, die sie zuvor bei anderen miterlebt haben.
Motive kehren verwandelt zurück, und was zunächst beiläufig erscheint, gewinnt Kapitel später eine neue Bedeutung.
Die Komposition dieser Geschichte folgt weniger einer klassischen Dramaturgie, als den Prinzipien musikalischer Variation: Wiederholung, Spiegelung, Resonanz und Verwandlung bestimmen nicht nur einzelne Kapitel, sondern reichen bis in den Rhythmus der Sätze hinein. So entsteht eine vielschichtige Slow-Burn-Romance, in der Ereignisse sich wie Wellen ausbreiten, überlagern und vertiefen.
Vielleicht existieren Begegnungen schon vor ihrem Erkennen?
Kirsten Richter lebt und arbeitet bei Berlin Sie schreibt über Resonanz, Wahrnehmung und die unsichtbaren Verbindungslinien zwischen Menschen. In ihrem Debütroman "Der Winterspaziergang" verbindet sie psychologische Tiefe, feinen Wortwitz und physikalische Denkansätze in sinnlicher, literarischer Sprache.
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