WIR HABEN DAS ALTERN VERLERNT.
Das ist keine metaphorische Aussage, es ist eine diagnostische. Sie trifft uns alle, die Jungen, die noch nicht altern, und die Älteren, die es bereits tun, aber in einer Gesellschaft, die ihnen keine Sprache dafür gegeben hat. Sie trifft die Institutionen, die das Alter verwalten, und die Menschen, die es erleben. Sie trifft die Politik, die über Renten redet, ohne jemals über das Leben dahinter nachzudenken. Sie trifft die Wirtschaft, die das Alter als Kostenrisiko berechnet. Dann trifft sie auch noch die Kultur, die das Alter aus dem Bild herausretouschiert hat, bis es so gut wie unsichtbar ist, zumindest bei uns.
Wir haben das Altern nicht verloren. Wir sind alle noch da, alle noch am Altern, alle noch unterwegs in diese Richtung, die es nur als Einbahn gibt. Was wir verloren haben, ist die Fähigkeit, über das Altern positiv zu denken, es ernst zu nehmen, es anzuschauen. Ja, als das zu sehen, was es ist, also keine Ausnahme, keine Abweichung, kein Problem, das gelöst werden sollte, sondern ein Teil des Lebens, vielleicht sogar der Teil, der am ehrlichsten ist.
Dieses Buch beginnt nicht mit Ratschlägen. Wer Ratschläge sucht, wie man gut altert, wie man für das Alter vorsorgt, wie man die Rente optimiert oder die Falten mindert, der findet anderswo reichlich davon. Dieser Markt ist gut versorgt. Dieses Buch sucht etwas anderes, die ungeschönte Wahrheit. Die Wahrheit über das Alter in unserer Gesellschaft ist unbequem genug, dass man ein ganzes Buch braucht, um ihr ins Gesicht zu sehen.
Bevor Sie es lesen: Dieses Buch wird Sie nicht beruhigen. Es wird Ihnen keine einfachen Antworten geben. Es wird einige Dinge sagen, die Sie vielleicht lieber nicht hören würden. Das ist kein Fehler des Buches. Es ist sein Zweck.
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