Was bleibt wenn eine Familie schweigt?
Eine Frau folgt einer Spur, die mit einem Namen beginnt: Otto, geboren 1878 in Chemnitz, vergast bei Ypern, ermordet im Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, eingewiesen auf Betreiben seiner eigenen Tochter, die das Wort Belastung auf ein Formular schrieb und danach eine andere Geschichte erfand.
Der Magnolienbaum ist die Rekonstruktion dieser Kette. Vier Generationen, ein Wort das weitergegeben wird wie eine Krankheit, die keinen Namen hat: Belastung. Von der Großmutter, die das Formular unterschrieb. Über die andere Großmutter, die Höhlen baute und das Bügeleisen hielt. Über die Mutter, die Böden schrubbte bis die Kacheln leuchteten. Über den Vater, der schwieg, als seine Tochter dreimal versuchte zu sterben.
Und dann die Erzählerin selbst - Psychiatrie, Trauma, eine Doktorarbeit, die sie nicht umschreiben wollte, Jahre die sie überlebt hat, ohne gefragt zu werden, ob sie das will.
Dieses Buch ist kein Roman über Opfer. Es ist ein Zeugnis über Menschen, die Dinge bekamen, die sie nicht wollten und weitergaben, was sie nicht hätten weitergeben dürfen. Über die Frage, was es kostet, nicht zu schweigen. Über einen Magnolienbaum in einem Hof, der einfach blühte, ohne Bedingungen, ohne das Wort Belastung, und damit das Leben einer Frau rettete, die aufgehört hatte, daran zu glauben, dass sie es wert war zu leben.
Die Kette endet hier.
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