Der Kynismus des Diogenes und der Begriff des Zynismus

Der Kynismus des Diogenes und der Begriff des Zynismus

Heinrich Niehues-Pröbsting

Reihe: suhrkamp taschenbuch wissenschaft

Geistes-, Sozial- & Kulturwissenschaften

Paperback

390 Seiten

ISBN-13: 9783518283134

Verlag: Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 30.03.1988

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Antike, Antike Philosophie, Diogenes von Sinope, Erkenntnistheorie, Ethik

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In diesem Buch werden Kynismus und Zynismus nicht wertend voneinander abgegrenzt und in einen Gegensatz gebracht; weder verfällt der Zynismus einseitig negativer Kritik, noch wird der Kynismus als einziges Antidot zur zynischen Korruption der Vernunft empfohlen. Das Buch enthält sich der Moral und des Moralisierens. Es bietet kein Feindbild und keine Identifikationsfigur; es ist also erheblich kühler als Peter Sloterdijks spätere Kritik der zynischen Vernunft – und trockener. Denn es macht den Prozeß deutlich, in dem der moderne Begriff aus dem antiken in enger Verschränkung von Kontinuität und Veränderung hervorgegangen ist. Das erfordert, den Kynismus als Ausgangspunkt und –potential dieses Prozesses darzustellen, was nicht so sehr in der Definition eines philosophischen Schulprogramms und der Wiedergabe einer systematischen Lehre – von »Schule« kann hier nur mit großem Vorbehalt gesprochen werden -, sondern überwiegend in der Beschreibung der legendären Gestalt des Protokynikers Diogenes geschieht: Erhellung eines Begriffs durch die Präsentation einer Figur, so wie Kierkegaard den Begriff der Ironie aus der Gestalt des Sokrates heraus erläuterte – nur das für dieses ikonographische Verfahren in bezug auf Diogenes das verfügbare Quellenmaterial viel heterogener, verstreuter und von geringerem literarischen Gewicht ist als die sokratischen Dialoge Platons. Hier kommt vor allem jener große Bestand von Anekdoten in Betracht, der in der neuzeitlichen Geschichtsschreibung der Philosophie doppelt in Mißkredit geraten ist: durch die historische und philologische Kritik, beginnend mit Pierre Bayle, und durch die Identifikation der Philosophie- mit der Ideengeschichte seit Hegel. Die Arbeit gewinnt mit der Gestalt des Diogenes auch die ihr anhängende Form der Anekdote als philosophiegeschichtliches Medium zurück.
Heinrich Niehues-Pröbsting

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