Ein Beckenschiefstand wird ertastet, eine Beinlängendifferenz gemessen, ein Atlas korrigiert und eine Blockade gelöst. Solche Aussagen erzeugen schnell ein einprägsames Bild: Im Körper sei etwas verrutscht, verkürzt, verschlissen oder aus dem Lot geraten und müsse nur wieder an seinen vermeintlich richtigen Platz gebracht werden. Doch wie viel davon lässt sich anatomisch und wissenschaftlich tatsächlich halten?
"Das (Therapie-)Mythen-ABC" untersucht neunzehn verbreitete Erklärungsmodelle des Bewegungsapparats - von Abnutzung, Atlas-Fehlstellung und Beckenschiefstand über verklebte Faszien, Impingement und Skoliose bis hin zu verschobenen Wirbeln und dem sogenannten Witwenbuckel. Anschauliche Anatomiegrafiken zeigen, was im Körper wirklich beweglich, belastbar und veränderbar ist, während verständliche Beispiele verdeutlichen, weshalb sichtbare Asymmetrien nicht automatisch Beschwerden erklären und eine therapeutische Wirkung noch kein Beweis für die dazu erzählte mechanische Geschichte ist.
Das Buch spricht Beschwerden und Behandlungserfahrungen nicht ab. Es trennt jedoch Beobachtung, Interpretation und wissenschaftlich belastbare Aussage voneinander und zeigt, wie schnell vermeintlich eindeutige Diagnosen zu beunruhigenden Körperbildern werden können. So entsteht eine nüchterne, verständliche und zugleich praxisnahe Orientierung für Betroffene sowie für Trainer, Bodyworker und therapeutisch Tätige, die den menschlichen Körper differenzierter betrachten möchten.
Lukas Leo Plasil ist Sporttherapeut, Trainer, Krankengymnast und Inhaber einer eigenen Praxis in Meckenheim. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich praktisch und publizistisch mit Bewegung, Belastbarkeit, Schmerz, manueller Behandlung und den Erklärungsmodellen, die Menschen über ihren Körper vermittelt bekommen.
In seiner Arbeit verbindet er Erfahrungen aus Praxis und Training mit evidenzorientierter Aufklärung. Über seine Social-Media-Kanäle erreicht er ein großes Publikum und setzt sich dort regelmäßig kritisch mit vereinfachten Körperdiagnosen, therapeutischen Mythen und vorschnellen Heilsversprechen auseinander. Darüber hinaus entwickelt er Fortbildungen und Bewegungskonzepte für Trainer, Bodyworker und therapeutisch Tätige.
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