Schlagworte: Pfarrer Oskar Brüsewitz, Evangelische Kirchen in der DDR, Christenverfolgung im 20. Jahrhundert, Aufarbeitung DDR / SED-Unrecht, Widerstand
Mit seiner radikalen Tat protestierte Brüsewitz gegen die unterdrückte Kirche und diskriminierte christliche Jugendliche. Vier Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen.
Sein Handeln war nicht nur ein Protest gegen den SED-Staat, sondern auch gegen die Haltung seiner eigenen Kirche im Sozialismus. Brüsewitz störte. Der unbequeme Pfarrer war zuvor staatlicherseits zur Ausreise in die Bundesrepublik aufgefordert worden, die evangelische Kirchenleitung in Magdeburg wollte ihn daraufhin auf eine andere Pfarrstelle versetzen.
Sein Opfer ließ den Riss zwischen Glaube und Diktatur schlagartig sichtbar werden. Dies ermutigte Gläubige und führte dazu, dass die Kirchen zu Schutzräumen für Friedens-, Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen wurden, die schließlich den Boden für die Herbstrevolution von 1989 bereiteten.
Die Professoren Dr. Helmut Müller-Enbergs und Dr. Wolfgang Stock rekonstruieren minutiös den Lebensweg des Pfarrers, und wie der SED-Staat versuchte, den Märtyrertod erst zu vertuschen und den Pfarrer anschließend zu verleumden.
Mehr noch: Sie beschreiben die Versuche, die Aufarbeitung selbst im vereinten Deutschland zu behindern.
Die Autoren haben 1993 die erste Biografie über Oskar Brüsewitz vorgelegt (damals mit Heike Schmoll), deren dritte Auflage jetzt um bisher unbekannte Kirchen- und Polizeiakten ergänzt werden konnte.
Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs unterrichtet an der Syddansk Universitet (Dänemark) und ist Gastwissenschaftler am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin. Er war von 1992 bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stasi- Unterlagenbehörde, danach bis 2021 Leiter der Spionageabwehr des Landes Berlin.
Wolfgang Stock
Prof. Dr. Wolfgang Stock war 1977 Mitgründer und von 1984 bis 2004 Vor- sitzender des Brüsewitz-Zentrums in Bonn. Er hat sich als Journalist der FAZ nach der Wiedervereinigung intensiv mit der DDR-Vergangenheit auseinander- gesetzt. 1991 und 1996 hat er die ersten zwei Ausstellungen über Oskar Brüse- witz im Museum Schloss Zeitz initiiert und verantwortet. Als Professor hat er in Gießen, Bierbronnen, Frankfurt/Oder und Düsseldorf gelehrt.
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