Wer die A7 in Richtung Norden fährt und irgendwann das Gefühl hat, die Zeit bewege sich langsamer als der Gegenverkehr auf der Bundesstraße, der ist möglicherweise in der Nähe von Brakelsbüll. Möglicherweise. Denn auf den meisten Karten ist das Dorf nur als leichter Druckfehler verzeichnet, und das Navi sagt spätestens an der Abzweigung nach Brakelsbüll kleinlaut: Bitte wenden. Brakelsbüll ist eine humorvolle Chronik über ein kleines norddeutsches Dorf, das auf den ersten Blick nichts Besonderes zu bieten hat: keine Burg, kein Schloss, keinen berühmten Sohn und nicht einmal einen Kreisverkehr. Dafür besitzt Brakelsbüll etwas viel Wertvolleres: Menschen mit ihren Eigenheiten, Streitigkeiten, Festen und Geschichten. Die Chronik führt die Leserinnen und Leser von der angeblichen Gründung des Dorfes in der Steinzeit bis in die Gegenwart. Mit liebevoller Übertreibung erzählt sie von missglückten Dorffesten, historischen Käsestreitigkeiten, verspäteter Aufklärung, zwei Weltkriegen, dem Wirtschaftswunder, dem Einzug des Internets und dem bis heute nicht abgeschlossenen Glasfaserausbau. Immer wieder begegnet man dem typisch brakelsbüllischen Prinzip: Nichts überstürzen, was man auch vertagen kann. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht die großen Ereignisse der Weltgeschichte, sondern die kleinen Dramen des Dorflebens. Die Leser erleben die legendäre Dorfdisco der 1980er Jahre, den traditionellen Feuerwehrball, ein erbittertes Boßelduell zwischen Brakelsbüll-Dorf und Brakelsbüll-Heide sowie die chaotischen Bundesjugendspiele der örtlichen Schule. Zwischen Kassettenrekordern, Käseigeln, warmem Bier, Nieselregen und Gemeinderatssitzungen entsteht ein liebevoll-komisches Porträt des ländlichen Schleswig-Holsteins. Dabei ist das Buch mehr als eine reine Parodie auf Heimatbücher. Hinter dem trockenen Humor und den skurrilen Figuren wird deutlich, was ein Dorf tatsächlich zusammenhält: gemeinsame Erinnerungen, alte Feindschaften, Nachbarschaftshilfe, Traditionen und die Fähigkeit, auch über die eigenen Schwächen zu lachen. Brakelsbüll ist eine unterhaltsame Hommage an die kleinen Orte und die unscheinbaren Geschichten, die selten in den Geschichtsbüchern stehen, aber das Leben prägen. Ein Buch für alle, die norddeutschen Humor, liebevolle Satire und den ganz normalen Wahnsinn des Dorflebens schätzen.
Der Autor wohnt selbst seit seiner Geburt in einem kleinen Dorf an der Westküste in Schleswig-Holstein (nicht in Brakelsbüll). Seit seiner Jugend hat er an zahlreichen Ernteumzügen und Kinderfesten im Dorf teilgenommen. Er musste in jungen Jahren im Gasthof bei einer mobilen Tanzschule Walzer und Foxtrott lernen. Er ist in die Dorfkirche gegangen, wurde dort getauft (mit 21 Jahren) und ist in späteren Jahren zu Feuerwehrbällen und Kreisklassenfussballspielen gegangen. Und er hatte ein Mofa! Das Dorfleben von den 70ern bis zum heutigen Tag ist ihm also nicht unbekannt und begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Ein Umzug in die Stadt ist nach eigenen Angaben zwar möglich aber sinnlos und nicht beabsichtigt. Dieses Buch ist entstanden aus zahlreichen kleinen Ideen, die dann zu einzelnen Kurzgeschichten wurden. Diese Geschichten wurden jetzt gesammelt und in dieses Buch gepackt. Der eine oder andere, der in einem Dorf zu Hause ist, wird einiges bestimmt wiedererkennen.
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