Isaak Jakob Schmidt (1779-1847), der Begründer der Mongolistik in Europa und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, hoffte, einen jungen Sprachwissenschaftler für sich zu gewinnen: Bernhard Jülg (1825-1886), der gerade an der Universität Kiel mit einer Dissertation über die kalmükische Grammatik, wohl die erste solche Arbeit in Europa, promoviert hatte (1847). Schmidt war von der Arbeit begeistert und verfasste eine sehr positive Rezension, in der er empfahl, Jülg als Adjunkt an die Petersburger Akademie der Wissenschaften zu berufen. Doch Schmidt verstarb, bevor entscheidende Maßnahmen ergriffen werden konnten, und Jülg musste seinen Lebensunterhalt als Altphilologe im Schuldienst verdienen. Bislang galt diese Geschichte als mündliche Überlieferung; außerdem war Jülgs Dissertation sowohl in Kiel als auch in St. Petersburg verloren gegangen. Nun sind Schmidts handschriftliche Rezension im Archiv der Akademie in St. Petersburg sowie ein Entwurf der ursprünglichen Dissertation aufgetaucht, womit eine Anekdote als historische Tatsache bestätigt wird. Wenn Jülg es in der Folge auch zum Professor für Altphilologie an der Universität Innsbruck brachte, so blieb das Kalmükische doch sein Herzensanliegen: Er edierte zwei im Manuskript vorliegende kalmükische Erzählungszyklen, Siddhi-kür und Ardschi-Burdschi (Bearbeitung ursprünglich indischer Originale) in Text und Übersetzung, wofür er auch die nötige Typographie gravieren ließ, und gab damit der Mongolistik wie der Erzählforschung wichtige Anstöße. Die vorliegende Arbeit bietet eine Biobibliographie Jülgs, gibt den Text von Schmidts Rezension wieder und reproduziert Jülgs lateinischen Entwurf (S. 1-20: das gesamte Dokument liegt online auf der Webseite der Staatsbibliothek zu Berlin auf) sowie zwei deutsche Bearbeitungen von Auszügen aus der Grammatik in Transkription.
Alla Sizova, ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Orientalische Handschriften der Russischen Akademie der Wissenschaften, ist derzeit Doktorandin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der École Pratique des Hautes Études sowie Forscherin für Handschriften in tibetischer und mongolischer Sprache.
Hartmut Walravens ist Privatdozent und Ltd. Bibliotheksdirektor i. R. und beschäftigt sich mit der Geschichte der Orientalistik.
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