Bekenntnisse zum Pazifismus
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Bekenntnisse zum Pazifismus

Ausgewählte Dichtungen, Aufsätze und Vorträge 1914 - 1941

Stefan Zweig , Peter Bürger (Hrsg.)

Band 48: edition pace

Romane & Erzählungen

Paperback

404 Seiten

ISBN-13: 9783696752088

Verlag: BoD - Books on Demand

Erscheinungsdatum: 22.10.2026

Sprache: Deutsch

Schlagworte: Stefan Zweig, jüdische Pazifisten, Dichter im ersten Weltkrieg, Aufruf zur Kriegsverweigerung, Literatur & Pazifismus

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Stefan Zweig (1881-1942) gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Das vorliegende Lesebuch der Schalom-Bibliothek erschließt durch einunddreißig Dichtungen, Aufsätze und Vorträge sein Bekenntnis zum Pazifismus:
". . . ich halte meine Kraft gespannt zum Widerstand gegen die Anforderung, die ich als Verbrechen empfinde: Waffen gegen andere Menschen zu gebrauchen . . . und betrachte es als eine moralische Pflicht, den Mord zu verweigern." (Testament des Gewissens, 28.11.1917)
"Wir sind Defaitisten, das heißt: wir wollen keines Sieg und keines Niederlage, wir sind Siegfeinde und Freunde des Verzichts. Wir sind Defaitisten, das heißt: wir sehen mehr Größe in . . . der Versöhnung als im Kampf mit verbissenen Zähnen! Wir sind Defaitisten, das heißt: wir lieben den Menschen . . . mehr als die irdischen Gebilde der Staaten. Wir sind Defaitisten, das heißt: wir fühlen keine Schande darin, die Schwächeren zu sein im Krieg und die kürzeren Kanonen zu haben; wir suchen die Gerechtigkeit nicht zwischen den Drahtgewinden und unsere Freude nicht an zerschmetterten Feindesregimentern. Wir sind Defaitisten, das heißt: kein Opfer des Stolzes, des Geldes, der Ehre, der Erde scheint uns vergebens, wenn das heilige Blut von Menschen nicht mehr vergossen und Europa von seiner Qual erlöst wird . . . Schreien wir unsere Kriegsfeindschaft mit diesem Wort in die Welt. Seien wir Flaumacher in der eisernen Zeit!" (Friedens-Warte, Juli 1918)
Im Bildungskanon des sich als feingeistig verstehenden Bürgertums gab es immer schon große Namen, die von einer tiefen Abscheu vor jeglicher Kriegsertüchtigung zeugen. Aber man verehrte diese 'Großen' gemeinhin nicht wegen, sondern trotz ihrer pazifistischen Standorte. Eine neue Generation kann sich die Klassiker wider den militärischen Heilsglauben heute aneignen, sie entwenden aus den verwaisten Bibliotheken jenes Bürgertums, das sich mit allerlei Feinsinnigkeit belud und doch zu leichtgewichtig blieb. Es wartet ein unerschöpfliches kulturelles Gemeineigentum als Wegweiser für Frieden.

edition pace.
Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 18.
Herausgegeben und eingeleitet von Peter Bürger.
Stefan Zweig

Stefan Zweig

Stefan Zweig (1881-1942), als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien geboren, war ein österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und Pazifist. Er gehörte zu den beliebtesten deutschsprachigen Erzählern seiner Zeit. Neben den eigenen Dichtungen legte er Übersetzungen von Werken bedeutender Schriftsteller wie Baudelaire oder Romain Rolland vor. Zu Beginn des ersten Weltkrieges meldet sich Zweig zunächst freiwillig zum Militärdienst, um dann im staatlichen "Kriegsarchiv" (Propagandaeinrichtung) tätig zu sein. Vor allem auch durch die Freundschaft mit dem Franzosen Romain Rolland findet er zu einem entschiedenen Friedensstandort, der sich in zahlreichen Dichtungen, Aufsätzen und Vorträgen niederschlägt. Am 28. November 1917 schreibt Zweig sein "Testament des Gewissens" nieder: ". . . Waffen zu tragen und von ihnen Gebrauch zu machen. Ich halte im Sinne Tolstois und noch dringender in dem meiner eigenen Erkenntnis dies als das schwerste Verbrechen wider den Geist der Menschlichkeit, das wir begehen können und betrachte es als eine moralische Pflicht, den Mord zu verweigern."
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten werden 1933 in vielen deutschen Städten auch die Werke Zweigs öffentlich verbrannt; ein Gleiches wiederholt sich dann am 30. April 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz. (Juden und Pazifisten stehen im Faschismus ganz oben auf der Liste der "Verbotenen Autoren"). Die letzten acht Jahre seines Lebens hat der Dichter im Exil verbracht (England, USA, Südamerika, zuletzt Brasilien). In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 scheidet er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Charlotte geb. Altmann (geb. 1908) in Petrópolis (Brasilien) "freiwillig" aus dem Leben. Bis zum Ende hat der Dichter sein Bekenntnis zum Pazifismus nicht widerrufen. Das haben ihm - bis heute - viele verübelt. Mit hoher Achtung für den Freund teilt hingegen Franz Werfel, der selbst einen abweichenden Standort einnimmt, in seiner Rede zur Trauerfeier 1942 mit: "Ja, Stefan Zweig war ein Mann ohne Zorn. Darum war er auch einer der ganz wenigen echten Pazifisten, die es gibt. Für ihn bedeutete der Krieg die irdische Hölle, an die man nur mit Heulen und Zähneklappern denkt."

Website: https://schalom-bibliothek.org/

Peter Bürger

Peter Bürger (Hrsg.)

Peter Bürger (geb. 1961 im Sauerland): Theologe (Studienorte Bonn, Paderborn, Tübingen) & Krankenpflege-Examen 1992 (langjährige Berufstätigkeit in der psycho-sozialen Begleitung); seit 2003 freier Publizist. 2016 Teilnehmer der Internationalen Konferenz "Nonviolence and Just Peace" (Rom). - Bearbeiter der Reihe "Kirche und Weltkrieg" (https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/) sowie der von ihm konzipierten Editionsprojekte "Tolstoi-Friedensbibliothek" (www.tolstoi-friedensbibliothek.de) und "Schalom-Bibliothek: Pazifisten & Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien" (www.schalom-bibliothek.org). - Bertha von Suttner-Preis 2006 für die Studien zu Krieg und Massenkultur (u.a. "Napalm am Morgen" 2004, "Kino der Angst" 2005 / 2007, "Bildermaschine für den Krieg" 2007); Rottendorf-Preis 2016 für die Erforschung und Vermittlung niederdeutscher Literatur. - Mitgliedschaften: Solidarische Kirche im Rheinland; Internationaler Versöhnungsbund (deutsche Sektion); Internationale katholische Friedensbewegung pax christi (ab 1980, als Kriegsdienstverweigerer); DFG-VK; VVN-Bund der Antifaschisten; Ökumenisches Institut für Friedenstheologie; IPPNW. - Als Herausgeber hat er zuletzt vorgelegt: Leo N. Tolstoi. Begegnung mit dem Judentum. Briefe und andere Zeugnisse des Dichters, nebst Darstellungen von jüdischen Zeitgenossen (Tolstoi-Friedensbibliothek 2025); "Gott für uns alle". Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden, Band II (zus. m. Hans Jürgen Rade, 2025); Gustav Landauer: Abschaffung des Kriegs durch Selbstbestimmung. Ausgewählte Texte 1895-1919 (zus. m. Jan Rolletschek); "Sei von den Schülern Aarons". Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner (2026); Umdenkschrift I/II/III zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden (3 Bde., 2026); "Gewalt und Kriegstheologie in der Hebräischen Bibel". Ein Lesebuch der Schalom-Bibliothek (2026); "Friedensbotschaften der Hebräischen Bibel - Erster Band" (2026).

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