Ein Müller schickt seinen Sohn, den er einen Taugenichts schimpft, weil dieser ihn die ganze Arbeit allein machen läßt, hinaus in die weite Welt. Fröhlich nimmt der Sohn seine Geige und verläßt sein Dorf, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben. Schon bald hält neben ihm eine Kutsche, in der zwei Damen sitzen, die Gefallen an seiner Musik finden. Sie nehmen ihn mit auf ihr Schloß, nahe Wien, wo er sofort als Gärtnerbursche eingestellt wird. Bald verliebt er sich in die jüngere der beiden Damen. Als er jedoch eines Tages seine »allerschönste Frau« mit einem Offizier auf einem Balkon sieht und sie für ihn nun unerreichbar scheint, packt er seine Sachen und verläßt das Schloß und wandert nun gen Italien. Eichendorff lockert die epische Form der Novelle durch lyrische Elemente auf, indem er einige seiner Gedichte als Lieder in den Text einbaut. Außerdem trägt die Novelle teilweise Züge eines Märchens, was sowohl durch die einfache und naive Sprache des Taugenichts als auch durch die glücklichen Fügungen, die das Schicksal des Taugenichts bestimmen, und die romantischen Landschaften mit ihren Schlössern, Gärten und Wäldern zum Ausdruck kommt. Das Werk gilt als Höhepunkt der deutschen Spätromantik.
Der Text des Neusatzes folgt der Auflage von 1826 in einer orthographisch revidierten Fassung von 1955.
Joseph von Eichendorff (1788-1857) war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Breslau studierte Eichendorff con 1805 bis 1806 in Halle Jura. 1807 Fortsetzung des Studiums in Heidelberg. 1808 unternahm er mit Bildungsreise über Straßburg nach Paris. Danach Reise nach Wien. 1809 fuhr Eichendorff mit seinem Bruder nach Berlin, wo er Fichte hörte und mit den Schriftstellern Arnim, Brentano und Kleist zusammentraf. 1812 schloßer sein Studium in Wien ab. Von 1813 bis 1815 nahm Eichendorff an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Nachdem sich Eichendorff 1816 als Referendar in Breslau in den preußischen Staatsdienst begeben hatte, wurde er 1821 zum katholischen Kirchen- und Schulrat zu Danzig, 1824 zum Oberpräsidialrat zu Königsberg ernannt. 1841 wurde Eichendorff zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Nach einer schweren Lungenentzündung 1843 ging er 1844 in den Ruhestand. Eichendorff wird zu den bedeutendsten und noch heute bewunderten deutschen Schriftstellern gezählt. Zahlreiche seiner Gedichte wurden vertont und vielfach gesungen. Seine Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts gilt als Höhepunkt und zugleich Ausklang der Romantik.
Es sind momentan noch keine Pressestimmen vorhanden.