Atlantis der Titel eines 1912 publizierten Romans von Gerhart Hauptmann über die Lebenskrise des Arztes Friedrich von Kammacher, die durch die psychische Krankheit seiner Frau und die Faszination von einer 16-jährigen Tänzerin ausgelöst wird. Er bricht mit seiner Vergangenheit und folgt seinem Idol in die USA. Nach dem Untergang des Ozeanschiffes und der Rettung der beiden gerät der Protagonist in ein sexuelles zerstörerisches Abhängigkeitsverhältnis. Mit Hilfe einer Freundin kann er sich von seiner Obsession befreien und einen neuen Lebensstil entwickeln. Der Roman besteht aus zwei Teilen: Erstens die mit einem Schiffbruch endende Nordatlantikfahrt des Arztes Friedrich von Kammacher in die USA. Zweitens seine Orientierungssuche nach einem neuen Leben im Künstlermilieu New Yorks und in der Einsamkeit Connecticuts mit dem Ergebnis, nach Europa zurückzukehren.
Gerhart Hauptmann (1862-1946) gilt als der bedeutendste deutsche Vertreter des Naturalismus, integrierte aber auch andere Stilrichtungen in sein Schaffen. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Ab 1874 besuchte er die Realschule in Breslau. Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Gutshof seines Onkels besuchte er von 1880 bis 1882 die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau. Danach begann er ein Studium der Philosophie und Literaturgeschichte an der Universität Jena, das er jedoch bald abbrach. Danach unternahm er gemeinsam mit seinem Bruder Carl eine Mitelmeerreise. Er beschloß, sich in Rom als Bildhauer niederzulassen, hatte jedoch keinen Erfolg. Hauptmann kehrte enttäuscht nach Deutschland zurück und begann ein Zeichenstudium an der Königlichen Akademie Dresden, das er ebenso wenig abschloß wie ein anschließendes Geschichtsstudium an der Universität Berlin. Sein Interesse galt stattdessen dem Theater. In Zürich begann Hauptmanns naturalistisches Schaffen. Von dort aus schickte er das Manuskript seines ersten naturalistischen Werks Bahnwärter Thiel nach München, wo es der Kritiker Michael Georg Conrad begutachten sollte. Mit seinem 1889 uraufgeführten Drama »Vor Sonnenaufgang« sorgte er für einen der größten Skandale der deutschen Theatergeschichte. Das bürgerliche Publikum war schockiert, weil in Hauptmanns Stück Sexualität und Alkoholismus freimütig dargestellt wurden. Mit seinem wichtigsten Drama »Die Weber« (1891/92) erlangte Hauptmann Weltruhm und erreichte den Höhepunkt seiner naturalistischen Schaffensphase.
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